
Einfach mal über den Tellerrand schauen. Mal auf einer anderen Bühne lesen, als bisher. Tolle Idee. Dachte ich jedenfalls, bis ich heute auf der LiebeStattDrogen-Bühne stand und mir während meines Textes, den ich schon mal bei der Chaussee der Enthusiasten gelesen hatte, ohrenbetäubende Stille entgegenschlug. Es war so leise, dass ich vereinzeltes Schmunzeln GEHÖRT habe.
Schade, denn beim ersten Mal Vorlesen war es eigentlich ganz schön gewesen. Die Leute haben sogar laut gelacht. Oder vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet. Oder sie haben im Grunde über mich gelacht, dass ich mich traue, sowas Blödes vorzulesen.

Einen einzigen Lichtblick gab’ es wenigstens und zwar hat mir ein Mädchen gesagt, dass sie meine Stimme total toll fand und es ihr Spaß gemacht hätte, mir zuzuhören. Vielleicht sah ich aber einfach auch nur zu traurig aus, als dass sie ohne etwas zu sagen an mir hätte vorbeigehen wollen.
Ich hatte eher den Eindruck, dass meine Stimme eher eine solche Wirkung auf das Publikum hatte, wie Spider es hier so schön verkörpert.

An dieser Stelle: Es tut mir leid, dass ich euch das angetan habe. Ich werde es nicht wieder tun, ihr könnt aufatmen.
Und was lerne ich daraus? Dass Über-den-Tellerrand-schauen-wollen dumm ist. Von wegen mal ein neues Umfeld ausprobieren oder eine neue Lesebühne. Alles Unsinn. Ich sollte da bleiben, wo ich herkomme und froh sein, dort vom Publikum wenigstens nicht angeschwiegen zu werden.
Oder ich sollte das als Zeichen nehmen, damit aufzuhören, Geschichten schreiben zu wollen und endlich etwas Vernünftiges machen. Für die Uni lernen zum Beispiel. Oder mein Zimmer aufräumen. Oder abwaschen.






Nein, nein, nein, alles Quatsch! Ich hab dich zwar noch nie vorlesen gehört und kenne deine Geschichten auch nicht, aber es gibt doch offenbar Leute, denen das alles gefällt. Nur weil es jetzt einem anderen Publikum nicht gefällt, aufhören? Viele gute Künstler polarisieren. Nimm Harald Schmidt. Frag rum, was die Leute von ihm halten. Die Einen finden ihn genial (ich z.B.), die anderen total daneben (mein Vater z.B.).
Solange es dir Spaß macht: Mach weiter!
Hör nicht auf. Sowas passiert mal. Nicht jeder wird mögen was du schreibst. Da hat Henning mit Harald Schmidt schon recht.
Auf der anderen Seite…Lernen für die Uni kann eigentlich nicht schaden ;-)
Laß dich nicht runterkriegen von sowas…
Also meiner Meinung nach zeigt die Reaktion des Publikums noch lange nicht, dass sie deinen Text nicht mochten. Zwischen “laut loslachen” und einen Text scheiße finden liegen immerhin noch ein paar Stufen. Was genau nun jeder einzelne gedacht hat, können wir jetzt zwar nicht mehr herausfinden, aber ich glaube, es wäre zu engstirnig zu sagen, dass alle deinen Text scheiße fanden, weil es keine lauten Lacher gab. Dann müsste ich deinen Text ja auch doof finden und Caro auch…
Dennoch: Das mit dem Abwaschen klang auch nicht schelcht… ;-)
genau find ich wie anj. wieso ist denn ein text nur gut, wenn er wahnsinnig lustig ist? also ich fand, wie ich gesagt habe, dass die qualität in deinem text eher in der sprachlichen vielfalt, den metaphern, der art des vortragens lag…
bei dem wessi-text z.b. haben alle gelacht, ich auch, kora auch, weil das halt son kurzweiliges standardthema ist; aber ich fand ihn nicht zwangsweise gut (kora logischerweise noch viel weniger). ziemlich abgedroschenes thema, über das JEDER schreiben kann, keine kunst vom verfasser (wer war es denn gleich?).
also nicht verzagen, jeder hat seinen stil :)
und nun noch einer von den “böden” sprüchen für ani: immer,wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein lichtlein her…ist ne alte volksweisheit, muss also schon mehreren so ergangen sein wie dir!!! auch wenn man das manchmal gar nicht hören und im selbstmitleid baden will :( wie soll amn auch im himmel hoch jauchzen, wenn man nicht vorher zu tode betrübt war – oder so. soooo schlimm isses ja nict,stimmts:)) mundwinkel zu den ohren- na siehste: GEHT DOCH!
ich kenne dich zwar nicht und war gestern auch nicht da, kenne aber lsd über viele jahre (bin über volkers seite hierher geraten) und habe das gefühl, daß alle, die hier einen kommentar abgegeben haben noch nicht so häufig dienstags im zosch waren. drum etwas generelles zum offenen mikro bei lsd:
ich denke, da hatte noch nie jemand das gefühl, beim publikum gut angekommen zu sein. jenes ist neulingen gegenüber prinzipiell erstmal negativ bzw. ober-kritisch eingestellt und im allgemeinen wird die zeit auch häufig zum aufs klo gehen genutzt. das mag sicherlich nicht fair sein, ist aber so (jedenfalls in der eingeschworenen gemeinde) und somit nicht als persönliche kritik anzusehen, wenn keiner in jubel ausbricht. aller anfang ist schwer….
Über-den-Tellerrand-schauen-wollen ist nicht dumm, sondern das Einzige was einen weiter bringt. Wenn man dabei auch das Risiko eingeht auf die Schnauze zu fallen, egal, wieder aufstehen, schütteln und weiter geht’s. Dafür erfährt man Dinge über die Welt und einen selbst, welche denen die im Teller faul & feige sitzen bleiben verwehrt bleiben. Darauf kannst du stolz sein, basta.
Hinfallen ist kein Fehler, sondern liegenbleiben.
Ach mensch, das ist echt nett von euch. Vielen Dank für die lieben Worte.
Paul: Jaja, das mit dem Lernen hätte meine Oma auch gesagt.^^
Und Anke: ja, das mit den Mundwinkeln hat schon ganz gut geklappt…
Caro und Anj: danke, aber ich würde natürlich auch gern so schreiben, dass es auch lustig ist…naja, vielleicht sollte ich mir nicht zuviel auf einmal zumuten…;-)
An Carola: Ja, Du hast recht, von Anj, Caro und mir kann ich jedenfalls sagen, dass wir LSD jedenfalls nicht über mehrere Jahre hinweg kennen…Daher ist es ja mal ganz gut, zu wissen, dass es vielleicht schon anderen so gegangen ist. Hm, sowas erfährt mensch natürlich immer erst hinterher…
Bei der Chaussee der Enthusiasten, wo ich schon seit einiger Zeit hingehe(allerdings auch hier noch nicht von jahrelanger Erfahrung sprechen kann), ist es bisher auch -klar-immer so gewesen, dass offenen Mikros das Publikum eher “frecher” gegenüber eingestellt ist, als den bekannten Lesenden, aber im Großen und Ganzen die “Neulinge” eher interessiert betrachtet werden…
rollmops: nagut, dann versuche ich mal, mir den Staub von den Hosen zu klopfen und stolz auszusehen und -Henning- nicht liegen zu bleiben…obwohl es schon ziemlich bequem ist, hier unten.
Liebe Anika,
es tut mir sehr leid, dass Dein Auftritt bei uns so schlimm für Dich war. Und ich kann Deine Reaktion verstehen, dieses “Tut mir leid, dass ich euch das angetan habe” – den selben Gedanken hatte ich auch schon oft nach missglückten Auftritten. Kam mir dann vor, als sei es eine ungeheure Anmaßung, dass ich mich jemals an ein Mikro getraut habe, und alle erfolgreichen Auftritte müssten irgendwie auf einem Missverständnis beruht haben.
Dagegen hilft nur: Weitermachen. Nach dem nächsten schönen Auftritt sieht alles wieder anders aus.
Wie ein Text wo ankommt ist übrigens sehr, sehr rätselhaft und wenn sich einmal die Zuhörer darüber gefreut haben, kann es (nicht nur) am text liegen. Da kommen so viele Sachen zusammen – wie das Publikum drauf ist, was für Texte davor gelesen wurden etc.
Ich hoffe, Du kommst schnell darüber hinweg, schreibst weiter und traust Dich irgendwann vielleicht sogar nochmal zu LSD. Es tut mir wirklich leid, dass ich Dich sozusagen eingeladen habe und dann ist sowas passiert.
Vielleicht sehen wir uns ja heute Abend bei der Chaussee, dann würde ich Dir gerne noch was zu dem Text sagen (den ich neulich bei der Chaussee nicht ganz mitbekommen hatte und erst Dienstag richtig gehört habe). Wenn nicht schreib ichs per Email.
Volker
Ach so: Spider sitzt fast immer so da wie unter dem blauen Pfeil. Ehrlich.
:-)
Hey Volker,
danke, jetzt fühl ich mich auch schon etwas besser und bin wirklich froh, dass mir das nicht beim ersten Mal passiert ist (also, wie Du so schön gesagt hast: elf Kreuze^^):-)
Ja, wahrscheinlich ist es auch ganz gut, dass ich das mal durchgemacht habe, dann kann ich mich umso mehr freuen, wenn es das nächste Mal (hoffentlich) besser läuft…
Und Spider sei gesagt, dass er davon aber sicherlich Haltungsschäden bekommt ;-)
Schön zu hören daß du Hennings Rat folgst und wieder aus der Talsole krabbelst. Jetzt muss ich aber doch unbekannterweise den armen Spider verteidigen, denn mich erinnert er auf dem Foto stark hieran. Und wenn ich’s mir genau überlege, nehme ich bei Lesungen eine gar nicht so unähnliche Haltung ein, um mich gerade bei ernsthaften Texten besser konzentrieren zu können.
der pure alptraum. sorry, das ich nciht mit am strat war. ich hätte für stimmung gesorgt.
an rollmops: ich sag’ ja auch gar nichts dagegen, so da zu sitzen. Mache ich bestimmt auch manchmal, aber gut ist das ja nicht, wenn ich den alten Omasprüchen glauben darf. Kein Wunder, dass viele Dichter und Denker später nicht mehr aus dem Haus gegangen sind- Rückenprobleme.
an Kroko: ja, dann das nächste Mal, aber bitte mit Puscheln an den Händen und Sprechchören!;-)
jetzt würde mich der Text aber doch noch interessieren, den Du geschrieben hast. Stellst Du den mal rein?
An Echtzeitmärchen:
Hm, eher nicht. Aber vor allem, weil es ein Vorlesetext ist, der so im Stillen gelesen, wahrscheinlich gar nicht so toll ist. Vielleicht habe ich ja irgendwann mal eine Aufnahme davon…