Stationsschwesternlauf

By Anika

Kinder im Krankenhaus etwas vorzulesen ist gar nicht einfach.
Zuerst muss man sich vor Ort einen Zettel mit Schwester Marions Telefonnummer geben lassen, dann nach Hause gehen und mit Schwester Marion telefonieren, die dann sagt, dass man doch einfach mal vorbeikommen solle.

Wenn man dann wieder da ist, schickt sie einen dann auf die Station eine höher, um mit Schwester Gudrun zu sprechen, weil die Kinder dort das eher gebrauchen könnten, als die Kleinen 1-2 Jährigen in der Station darunter und zur Zeit hätten sie auch zwei Mädchen auf Schwester Gudruns Station, die sich da sehr freuen würden, weil die sich ein wenig langweilen.

Dann freut man sich auf die zwei Mächen und spricht mit Schwester Gudrun,
die eine von den strengen Schwestern ist, die mit den grauen Strähnen und dem Knoten,
und die einem dann sagt, man solle sich keine großen Hoffnungen machen, viele Kinder stecken sich auch einfach “den Walki” in die Ohren und das mit dem Vorlesen könne sie im Übrigen gar nicht entscheiden, also eigentlich könnte sie schon sagen, hier, machen Sie das einfach, gehen sie zu der und der ins Zimmer, aber weil es jetzt so neue Versicherungsgesetze gibt, müsse ich noch woanders hin. Und die Schwester Gudrun gibt einem dann einen Zettel mit einer Telefonnummer, die man 7:30 anrufen soll. Die Schwester vom Pflegedienst.

Also spricht man 7:30, zumindest versucht man das, so in der Nacht ist man ja noch nicht so zurechnungsfähig, mit der Pflegedienstschwester, die sagt, dass man sich dazu an den DRK Kinderbesuchsdienst wenden soll, der sowieso schon die Kinder hier besucht. Dann sagt man Okay, vielen Dank dann hoffe ich, dass wir uns bald wiedersprechen. Und dann lacht die Schwester auf und sagt Na, mal sehen. Dann ruft man den Kinderbesuchsdienst an und die Tante sagt dann, dass sie gerade keine Zeit hat, dass man später nochmal anrufen soll und dass es schon Wartelisten gäbe.

 

Und dann sitzt man da, erschöpft und verwirrt, und schaut ins Leere. Und denkt an die kleinen kleinen Mädchen auf der Station von Schwester Gudrun, die sich langweilen. Und warten.

13 Antworten zu “Stationsschwesternlauf”

  1. puppe sagt:

    Gute Taten scheinen gar nicht mehr so einfach zu sein. Schade…

  2. Anj sagt:

    Aber wirklich nicht. Hab diesen Exkurs allein beim DRK durch.
    Wartelisten – wie bescheuert! Als wenn man sich anstellen müsste, um Kindern eine Freude machen zu können (vor allem, weil die nu anscheinend doch niemanden hatten, der sich mit ihnen beschäftigt)
    Boah, da kann man nur wieder über die Bürokratie stöhnen…

  3. paula sagt:

    Ja, Gutmensch zu sein is nit so einfach.
    aber das ist bestimmt nur ein Test:

    Ob du gut genug bist
    Ob du geduldig genug bist
    …durchhälst
    …aggressiiv wirst
    …oder depressiv
    …aufgibst
    oder den ganzen Laden mal aufmischst, sprich: denen mal die Meinung sagst

    Also ich würd die Geschichte ruhig mal hinschicken!!
    Oder kann man da immer nur anrufen?
    Oder eben faxen!

    Ährlisch!

  4. Patrick sagt:

    Na das war nur ein kleiner Auszug dessen womit ich mich den ganzen Tag so beschäftige. Versuchs mal mit der Gitarre um Kinderlied zu singen ^^

    Nein aber mal im Ernst, da man uns heutzutage im Krankenhaus wegen jedem Scheiss verklagt (selbst ich als Azubi muss mir ne relativ teute Berufshaftpflicht leisten!!) und man gerade bei Eltern von kranken Kindern immer wieder mit den tollsten Überraschungen rechnen muss, sind die meisten Schwestern extrem vorsichtig geworden.
    Von einem Besuchsdienst hab ich allerdings ja noch nie was gehört?!? Hier gibts die grünen Damen aber die machen das von sich aus ehrenamtlich besuchen Omas und Opas die sonst allein auf Station wären.
    Habt ihr denn keine Elterninitiativen in euren Krankenhäusern? Hier gibts z.B. die KIWI (KInder der Würzburger Intensivstation) die sich zusammen mit den Sozialpädagogen um die Belange von Kindern und Eltern kümmern und z.B. auch immer wieder Klinikclowns organisieren.

  5. Anj sagt:

    Naja, deswegen gibt es ja eben das das DRk bzw die Abteilung des DRW mit Namen Besuchsdienst. Und da werden neben ganz alten Leuten eben auch Kinder besucht, die unterhalten werden möchten. Eigentlich eine sehr schöne Sache, aber wie so vieles ziemlich unorganisiert…

  6. Anika sagt:

    puppe: naja, oder eben einfach vorlesen. Gute Tat klingt so groß…aber ja, ich hab’ mich auch echt geärgert, aber bis jetzt noch nicht mehr rausgefungen

    Anj: ja, ich schüttel den Kopf mit.

    paula: ohne entmutigt zu klingen: ich glaube nicht, dass das was nützt. Müsste halt wirklich noch über andere Organisationen gehen (DRK ist nicht dafür zuständig, wenn man nur vorlesen will..)…aber dafür braucht man so seine Zeit…

    Patrick: ja, keine Ahnung, wie das mit den Elternorganisationen ist. Ich weiß nur, dass das DRK nicht die richtige Anlaufstelle ist, weil ich nur vorlesen möchte. Da gibt es wohl noch einige andere Organisationen in Berlin, aber so einfach, wie ich mir das gedacht habe – hingehen und lesen – wirds wohl leider nicht.

  7. Kassiopaia sagt:

    Ach Mensch, das ist ja echt ein bürokratischer Irrgarten durch den du dich da bewegst. Dabei warten die Kleinen sicher nur darauf, endlich ein Fan von dir werden zu dürfen.

  8. Patrick sagt:

    Das DRK ist nie die richtige Anlaufstelle ^^, egal bei was (der Johanniter spricht) ;)
    Aber mal im Ernst, um welches Krankenhaus handelt es sich denn, wahrscheinlich die Rotkreuzkliniken, oder? Ich bin zwar weit weg aber die Elterninitiativen haben ja ein weit verzweigtes Netz und ich hatte hier in der letzten Zeit viel Kontakt zu denen (leider aus nicht so erfreulichen Gründen)
    Ansonsten versuch doch einfach mal den klinikinternen Sozialdienst oder die Seelsorge anzusprechen, die sind sicherlich eher kompetent als so ne “externe” Organisation

  9. F sagt:

    so isset. aber du weißt ja, nur die hartnäckigen werden erleuchtet, die, die nicht von ihrem glauben abweichen udn jede prüfung bestehen.

  10. Patrick sagt:

    ? ^^

  11. links for 2008-02-25 | Endl.de | Zielpublikum Weblog sagt:

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  12. lie sagt:

    Traurig, dass man erst Anmeldung und Genehmigung braucht, um Menschen (und vor allem Kindern) etwas Gutes zu tun…

    Ich hoffe wirklich, du warst doch noch erfolgreich.

  13. Waldweiblein sagt:

    Schon traurig, dass so viel Aufwand erforderlich ist um kleinen, kranken Mäusen eine kleine Freude zu machen.

    Einfach Traurig!

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