Archiv | Februar, 2009

endlich einmal etwas das länger als vier jahre hält

25 Feb

angekommen_2

Dass es ihm reicht, mit seinen Freunden per Internet zu freundeln, war das Traurigste, was ich je gehört habe. „Was soll mir da schon fehlen?“ hat er ein bisschen provokativ gefragt „Wir können uns jeden Tag schreiben.“, und ich konnte nur den Kopf schütteln.

Wenn Freunde nach und nach wegziehen oder man selbst der Heimatstadt die Nase dreht und wegwandert, wird es immer schwieriger, einander nah zu bleiben. Sicher sind Freundeskreisblogs oder Twitteraccounts eine tolle Möglichkeit auch Winzigkeiten wie runtergefallene Schokobrote oder kleine Depressionen der anderen mitzukriegen und über alle Baumgrenzen hinweg sich doch noch kennen zu bleiben.

Aber so richtig echt fühlt sich das trotzdem nicht an. Ein bisschen, wie eine Pappfigur der Freundin im Zimmer zu stellen, die ab und zu lustige Sachen sagt.
Das echte Freundschaftsgefühl bleibt dann irgendwo zwischen den html-Zeilen stecken. Das Fehlende kann einem keine einzige getippte Zeile geben. Das Gefühl, sich nach viel zu langer Zeit wieder in den Armen zu liegen, bewundernd die Lebenswendungen anzuschauen, die abgeschliffenen Dielen anzufassen. Mit den geborgten quietschrosa Socken drüberzuschlittern und dabei eines der zugewachsenen Fellmonster zu erschrecken, die jetzt zur Freundesfamilie gehören.
Fast unbeschreiblich ist es, endlich anzukommen, wo man nie war, sich heimisch zu fühlen in einem Haus, das man nicht kennt und sich wieder gutenachtumarmen zu können.

Da kommt einem das achsosoziale Internet wie der letzte Dreck vor, wenn man zusammen am Sonntagsfrühstückstisch sitzt und die letzten Löffel Erdbeerjoghurt auskratzt, während man die Beine hochlegt und etwas peinlich berührt dem Muskelkater nachspürt. Muskelkater von dem zweistündigen Spaziergang an der Elbe, mit feuchten Wind und Wetter einer Stadt, die nahe am Meer liegt und dem Gefühl, wieder 16 und auf einer Klassenfahrt zu sein.
Nebeneinander herlaufen, die angewachsene Distanz zwischen sich zertreten und wieder über alles kichern und reden können, so – ja so wie damals denkt man und fühlt sich doch eigentlich zu jung dafür, schon von damals zu denken.

Ein ganzes Wochenende dauert der Zauber, der wieder in die Offlinewelt gezogenen Freundschaft. Danach fährt jeder seiner Wege und auch wenn man weiß, man wird sich jeden Tag im Netz schreiben, ist es doch, als trenne man sich voneinaner.
Und das ist es auch. Eine Trennung, ein Abschied vom Anfassen, sich durch die Haare fahren, morgens zusammen Märchen gucken und Eis essen, bis man schwanger geworden ist und vergleicht, wer den größeren Babybauch hat, vom Zusammen nichts tun und dabei grinsen. Einfach, weil es so schön ist, sich wiederzusehen.

Diesem lebendige Miteinandersein wieder den Rücken kehren zu müssen ist wie eine angebrochene Lieblingsschokoladentafel nicht zuende essen zu dürfen. Und auch, wenn der anfangs erwähnte Bekannte an dieser Stelle jetzt hämisch grinsen mag und sagen, dass ihm dieses böse Abschiedsgefühl nicht wiederfahren kann, so ist es doch etwas, von dem ich dankbar bin, erleben zu müssen.

Denn noch bestehen unsere Beziehungen nicht nur aus tweets, chatnachrichten und Blogeinträgen und Freundeslisten, die man löschen und erweitern kann, wie einem der Sinn steht. Noch können wir über unsere virtuellen Beziehungen hinwegklettern und ins Leben hopsen. Noch tut es weh, weil man sich vom Wiedersehen verabschiedet weil es eben nicht dasselbe ist, sich täglich das Netz zu teilen.

Dieses Gefühl wünsche ich dem Bekannten. Es wischt die Staubschicht vom Leben und lässt das Herz höher schlagen. Auch, wenn es gar nicht so leicht ist, wieder wegzugehen, wenn man einmal angekommen war.
Aber man weiß, dass es halten wird. Und man sich wiedersieht.

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endlich einmal etwas, das länger als vier jahre hält (tomte-endlich einmal)

mut

24 Feb

kasimir_uebermut_2
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Das frühe Morgenlicht verfing sich in Maroos Haaren.
Kasimir blinzelte träge.
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Und dann krabbelte ihm der Übermut in die Finger.
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gipfel

23 Feb

Ist das nun ein erstrebenswertes Gefühl, wenn der Tag nur noch besser werden kann?

wenn das kugelschwein zuhört

19 Feb

ani_anj

Als ich in mein Sandwich beiße und es angeekelt wieder ausspucke, muss ich den Impuls unterdrücken, sofort Anj anzurufen.
Gerade vor fünf Minuten erst habe ich mein Handy wieder zugeklappt. Seit Anj für ein paar Tage ausgeflogen ist, hat sich mein Guthaben schlagartig gesenkt und ich möchte wetten, ihre Ohren sind genauso rot wie meine.
Meine Hände kribbeln, aber ich schiebe das Handy noch ein bisschen tiefer in die Tasche. Ich schaff das schon.

Von anderen WGs hört man ja so manche Hiobsbotschaft. Beste Freundinnen, die sich zu putzfimmeligen Pingeln verwandeln oder mit zwei Partnern gleichzeitig Bad und Wanne blockieren. Ausziehverträge, unangekündigte Parties und Müllrunterbringallergikerinnen.
Auch die Anj-und-Ani-WG ist nicht perfekt, natürlich nicht. Ich schätze, wir sind einem unverhältnismäßig großem Anteil an Zugluft ausgesetzt.
Ständig werden Türen aufgerissen, wird sich auf das Sofa der anderen gefläzt oder in den Kuschelsessel geworfen und lebenswichtige Kleinstinformationen in die Luft geworfen. Egal, ob man sich gerade vom Nacktsein befreit oder für die Hausarbeit recherchiert.
Wenn die Katze der Schwester Schluckauf hat, der Bruder eine Eins bekommen, das Shampoo alle, sich die Zukunftsängste mal wieder in den Kopf genistet haben oder man einfach mal bunte Zehnägel braucht, so kann man immer die Tür auf der anderen Seite des Flures öffnen zu ein bisschen Ah und Oh und verständnisvollem Schweigen und Augenrollen oder eben entzücktem Griff zu den Nagellackfläschchen.
Seit einigen Tagen aber ist da nur eine Tür, hinter der mein Wäscheständer wartet und platzhirschend vor sich hintrocknet.

Damit endet die positive Seite des Ausgeflogenseins aber auch. So oft, wie man mir vielleicht unterstellt, will ich gar nicht nackt durch die Wohnung rennen und Anjs rosa Kugelschwein ist zwar verständnisvoll, quiekt aber nicht so schön wie seine blonde Zimmergenossin, wenn ich ihm von dem neuen wunderbar anspruchslosen Tanzfilm erzähle, den ich in der Videothek gefunden habe.

Gedanken an Stofftiere und Zugluft verloren spiele ich an meinem Handy, als es klingelt.
Mit einem quietschenden Hi nehme ich ab und kann Anj endlich erzählen, dass die Leberwurst auf meinem Sandwich schon schlecht war und plötzlich so wie ihre Teewurst geschmeckt hat. Im Gegenzug erfahre ich, dass sie eine Froschhose trägt und zusammen finden wir raus, das wir uns auf Samstag freuen.
Da sehen wir uns wieder und kein Handyguthaben der Welt kann uns mehr davon abhalten, stundenlang die schlimmen WG-Erfahrungen der Freundin des Kumpels der Schwester der Freundin zu sinnieren. Oder was wir alles lebend in unserem Kühlschrank gefunden haben.

and then i was all the sudden sixteen again

11 Feb

zettelwirtschaft

verlieren lernen

9 Feb

mindmap_1

Nein, Schokopudding zu essen hilft auch nicht. Wie macht man das bloß, dieses Wachbleiben, wenn man doch müde ist? Der tägliche Kampf ums Nichtinsbettgehen.
52 Klausurthemen warten darauf, sich in meinem Kopf breitzumachen und ein ganzer Themenblock ist noch nicht mit einberechnet
Seit Tagen schon heißt es abschreiben, zusammen- und sich an den Kopf fassen, Ordner aufstellen und Blätter suchen, Mindmaps mit bunten Zettelchen im Zimmer zu erstellen und dafür auf den Knien rumzurutschen. Das ganze dann auf Packpapier hin- und hergeschoben und sich wieder in die Haare fassen, wenn man zu unvorsichtig lüftet.
Eine Chance gebe ich meiner Wachbleibenmotivation noch.
Raus in die Kälte und einen Abendspaziergang zur nächsten Kaufhalle.
Und wenn das auch nicht hilft, eben loslassen. Mit einem Schokopudding-Teelöffel im Mund und den Notizen unterm Kopfkissen unter die Bettdecke schlüpfen und Kapitulation feiern.
Man muss auch mal verlieren können.

zwangsgesättigt

5 Feb

zwansgesaettigt

dass wir uns aus den augen verloren haben, war nicht schade. jedes wiedersehen war gut, aber nicht so gut, dass man es vermissen könnte.

doch seit tagen schleicht sich die alte schulfreundin immer wieder in meine gedanken.
ob sie ihre konditorlehre durchgezogen hat, obwohl sie so unglücklich war? und ob sie noch immer ein bisschen babyspeck an den hüften hat? oder noch kontakt zu der einen zeltplatzaffäre von damals?
als wir uns das letzte mal gesehen haben, war es wie die ganzen male davor. so als hätte sich nichts verändert. zwischen uns wars wie immer, obwohl wir beide ganz unterschiedliche wege getrampelt haben. und dann wieder verabschiedet, ohne tränen in den augen.

aber jetzt ist anna wieder da in meinem kopf und anstatt nur vor mich hinzufragen, wie es ihr wohl geht, will ich sie wieder sehen und ein bisschen die letzten jahre aufarbeiten.
ihre mailadresse war irgendwie girlie, irgendwas mit maus oder pupsi oder so. aber mein mailprogramm findet sie nicht.
huch, das könnte ja sogar spannend werden, denke ich und spinne in meinem kopf eine wilde suchgeschichte. vielleicht muss ich am ende die truhe auf dem flur aufschließen, meine alten freundschaftsbücher hervorkramen und die nummer ihrer eltern raussuchen und dann bei denen mein glück versuchen? das klingt schön romantisch in der web-2.0-zeit.
unerreichbarkeit und unauffindbarkeit als äußerst seltener luxus.

dann aber kommt mir der einfall, auf eine sehr bekannten seite nachzuschauen, in die sich nicht nur studenten eintragen. und promt wird mir annas profil beim ersten suchdurchlauf angezeigt. die kurze findefreude wird etwas getrübt, da ich nun meiner aufregenden suche nach alten schulfreundinnen beraubt bin. aber wer kann solche lustigen überecksuchgeschichten mit einer gehörigen portion zufall noch erwarten im zeitalter von besagter seite. immerhin kann ich anna nun schreiben, dass ich sie treffen und hören will, wie es sich so gelebt hat.
aber bevor ich auf den button „nachricht schicken“ klicken kann, überfällt mich ihr profil.

dass anna einen freund hat und sich die haare wieder lang wachsen lässt, keinen babyspeck mehr an den hüften aber ihre brille noch trägt, in der gruppe „ich bin sensibel, du arsch“ ist, ihr abitur nachmacht, 64 freunde hat und noch bei ihren eltern wohnt, wird mir sofort vor die füße geschmissen.

ich klicke auf „nachricht schreiben“.
der cursor blinkt eine weile im leeren feld. dann schließe ich das fenster und klappe den laptop zu.
was soll ich noch fragen.
es steht ja alles da.
wo sie die letzten jahre urlaub gemacht hat und welchen bikini sie dabei getragen, und dass sie die selbe bluse wie meine wg-freundin hat, weiß ich jetzt auch ganz genau.

ich hatte mich darauf gefreut, sie bei einem kaffee nach einer weile und du so? zu fragen, mich zurückzulehnen und mir eine schöne geschichte erzählen zu lassen. mit höhepunkten und händefuchteln und spannungsbogen und knackigem kaffeeklatsch über ach was wohl ute und die anderen so machen.
aber anna ist mit allen online befreundet und auch ich bekomme regelmäßig auf die pinnwand geschrieben, wer was wann gemacht hat. ute ist jetzt verheiratet, franzi in australien und jana hat ihre ausbildung abgebrochen.
meine neugierde ist zwangsgesättigt – wie wenn man sich schnell eine trockene scheibe brot in den mund stopft, um den hunger zu stillen.
erfüllt den zweck.
aber es schmeckt nicht.

nachts

3 Feb

aus dem gute nacht, toffifee ist ein gute-nacht-toffifee geworden.

erster stock links: mit rockzipfel nach schweden

2 Feb

Als ich Anj erzähle, dass ich nächstes Jahr nach Lund gehen will, guckt sie komisch.
Ein bisschen plötzlich ist das schon, aber die ganze vorige Nacht habe ich den wirren Gedanken, nach Schweden zu gehen, mal beim Schopf gepackt. Stundenlang hab ich mit dem Laptop auf dem Schoß im rumrecherchiert, bis meine Augen entzündete Pünktchen waren.
Am nächsten Morgen wache ich mit dem Gedanken an Spaziergänge durch die kleine Studentenstadt auf, und radle in Gedanken an den bunten Häusern vorbei zum Meer. Wenn ich mich ganz doll konzentriere kann ich sogar ein paar Möwen hören.

Schon seit 2 Jahren hat sich die Idee, nach dem Studium auszuwandern, im Hinterkopf eingenistet. Erst mal weg und vor allem: Nach Schweden.
„Aber Du musst dann mitkommen“ habe ich damals zu Anj gesagt und an ihrem Rockzipfel gezupft. „Ohne Dich geh ich nicht.“

Jetzt sitze ich vor ihr und es ist raus. Ich will weg. Aber gefragt, ob sie mitkommen will, habe ich nicht. Die Zeiten haben sich doch auch schon in 2 Jahren geändert. Nach Schweden gehe ich mit anderen Rockzipfel in der Hand, auch wenn es mit ihrem dazu noch ein bisschen schöner wäre. Und außerdem ich trau mich nicht. Ich hab Angst, dass sie nein sagt. So ein nein ist ja nie schön anzuhören. Dann lieber schweigen, und ein bisschen grinsen und sich offensichtlich freuen. „Ach“ sagt Anj verwirrt, „Dings kommt mit?“. Und dann lächelt sie aber und wünscht mir viel Glück, als ich wieder los muss.

Auf dem Weg durch Berlin geht mir Anjs Blick nicht aus dem Kopf. Was, wenn sie jetzt von mir enttäuscht ist? Bin ich unloyal? Hätte ich mich nicht so offensichtlich freuen dürfen? Also schicke ich eine ehrliche SMS und verrate, dass ich sie natürlich gerne mit nach Schweden nehmen würde, wenn sie auch will, aber nicht fragen, weil ich kein nein hören wollte.
Gruselszenarien schwirren mir durch den Kopf, wie sie todtraurig zuhause sitzt und über ihre untreue Freundin flucht, die sie nicht mitnehmen will.

Ein paar Minuten später piepst mein Handy und ich halte ihre Antwort in den Händen.
„Hey, Ich hoffe, dass du nicht böse bist, aber du weißt ja, dass das mit dem Ausland bei mir immer so eine unsichere Sache ist. Und Schweden reizt mich zur Zeit nicht so. Du bist doch nicht böse???“

Erleichterung heißt nicht umsonst was mit leicht. Der Stein in der Brust ist weg.
Ich werde der besten Mitbewohnerin der Welt haufenweise Postkarten aus Schweden schicken.
Und ein Elchbaby.
Bis wir wieder zusammen wohnen.

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> aus dem zimmer gegenüber: Aus dem Land geliebt

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in der kolumne erster stock links schreiben ani und anj jeden zweiten montag aus verschiedenen zimmern.

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