
Dass es ihm reicht, mit seinen Freunden per Internet zu freundeln, war das Traurigste, was ich je gehört habe. „Was soll mir da schon fehlen?“ hat er ein bisschen provokativ gefragt „Wir können uns jeden Tag schreiben.“, und ich konnte nur den Kopf schütteln.
Wenn Freunde nach und nach wegziehen oder man selbst der Heimatstadt die Nase dreht und wegwandert, wird es immer schwieriger, einander nah zu bleiben. Sicher sind Freundeskreisblogs oder Twitteraccounts eine tolle Möglichkeit auch Winzigkeiten wie runtergefallene Schokobrote oder kleine Depressionen der anderen mitzukriegen und über alle Baumgrenzen hinweg sich doch noch kennen zu bleiben.
Aber so richtig echt fühlt sich das trotzdem nicht an. Ein bisschen, wie eine Pappfigur der Freundin im Zimmer zu stellen, die ab und zu lustige Sachen sagt.
Das echte Freundschaftsgefühl bleibt dann irgendwo zwischen den html-Zeilen stecken. Das Fehlende kann einem keine einzige getippte Zeile geben. Das Gefühl, sich nach viel zu langer Zeit wieder in den Armen zu liegen, bewundernd die Lebenswendungen anzuschauen, die abgeschliffenen Dielen anzufassen. Mit den geborgten quietschrosa Socken drüberzuschlittern und dabei eines der zugewachsenen Fellmonster zu erschrecken, die jetzt zur Freundesfamilie gehören.
Fast unbeschreiblich ist es, endlich anzukommen, wo man nie war, sich heimisch zu fühlen in einem Haus, das man nicht kennt und sich wieder gutenachtumarmen zu können.
Da kommt einem das achsosoziale Internet wie der letzte Dreck vor, wenn man zusammen am Sonntagsfrühstückstisch sitzt und die letzten Löffel Erdbeerjoghurt auskratzt, während man die Beine hochlegt und etwas peinlich berührt dem Muskelkater nachspürt. Muskelkater von dem zweistündigen Spaziergang an der Elbe, mit feuchten Wind und Wetter einer Stadt, die nahe am Meer liegt und dem Gefühl, wieder 16 und auf einer Klassenfahrt zu sein.
Nebeneinander herlaufen, die angewachsene Distanz zwischen sich zertreten und wieder über alles kichern und reden können, so – ja so wie damals denkt man und fühlt sich doch eigentlich zu jung dafür, schon von damals zu denken.
Ein ganzes Wochenende dauert der Zauber, der wieder in die Offlinewelt gezogenen Freundschaft. Danach fährt jeder seiner Wege und auch wenn man weiß, man wird sich jeden Tag im Netz schreiben, ist es doch, als trenne man sich voneinaner.
Und das ist es auch. Eine Trennung, ein Abschied vom Anfassen, sich durch die Haare fahren, morgens zusammen Märchen gucken und Eis essen, bis man schwanger geworden ist und vergleicht, wer den größeren Babybauch hat, vom Zusammen nichts tun und dabei grinsen. Einfach, weil es so schön ist, sich wiederzusehen.
Diesem lebendige Miteinandersein wieder den Rücken kehren zu müssen ist wie eine angebrochene Lieblingsschokoladentafel nicht zuende essen zu dürfen. Und auch, wenn der anfangs erwähnte Bekannte an dieser Stelle jetzt hämisch grinsen mag und sagen, dass ihm dieses böse Abschiedsgefühl nicht wiederfahren kann, so ist es doch etwas, von dem ich dankbar bin, erleben zu müssen.
Denn noch bestehen unsere Beziehungen nicht nur aus tweets, chatnachrichten und Blogeinträgen und Freundeslisten, die man löschen und erweitern kann, wie einem der Sinn steht. Noch können wir über unsere virtuellen Beziehungen hinwegklettern und ins Leben hopsen. Noch tut es weh, weil man sich vom Wiedersehen verabschiedet weil es eben nicht dasselbe ist, sich täglich das Netz zu teilen.
Dieses Gefühl wünsche ich dem Bekannten. Es wischt die Staubschicht vom Leben und lässt das Herz höher schlagen. Auch, wenn es gar nicht so leicht ist, wieder wegzugehen, wenn man einmal angekommen war.
Aber man weiß, dass es halten wird. Und man sich wiedersieht.
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endlich einmal etwas, das länger als vier jahre hält (tomte-endlich einmal)











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