Archiv | August, 2009

Draußen

30 Aug

schattenspiel

Wenn ich den Kopf hängen lasse, kann ich noch den Geruch in den Haaren wiederfinden.
Nach wie-damals riecht es, obwohl es mein erstes Mal war.
Ich streiche immer wieder über die Deckel. Nicht ohne ein wenig Stolz in den Fingerspitzen. Ein bisschen mehr sogar.

Im Roman müsste ich mich jetzt aufs Bett fallen lassen, die Augen schließen und schon kämen die Bilder der vergangenen Tage zu mir. Wie als wenn es gestern gewesen wäre. Aber es ist heute gewesen und das mit den Bildern funktioniert auch mit geöffeten Augen prima. Auch beim Eisessen und Zähneputzen. Im Film wären jetzt Amateurvideoimitierte Szenen zu sehen. Überbelichtet und mit wackelnder Kamera und mit Lachen im Hintergrund. Die Bäume würde man sehen, einen Feldweg und die tiefhängenden Zweige. Drei Menschen, die mehr und weniger hüpften, um ran zu kommen an die Früchte. Ein ungelenker Schwenk in den Himmel, und die Kameralinse würde ein paar hübsche Regentropfen einfangen. Gegen die Sonne.
Schnitt.
Nun eine Portraitaufnahme eines Mädchens mit Zopf, das lachend sich durch die Zweige kämpft, ab und zu aufschreit, aber dann durch das Blätterdach weiter oben zu sehen ist. Triumphierend und die Hände den hoch hängenden Ästen entgegengestreckt. Schnitt.
Volle Körbe getragen von rotwangigen Menschen. Wieder ein überbelichteter Kameraschwenk und die Musik im Hintergrund wird lauter. Schnitt auf saftnasse Hände mit Obstmessern und entkernten Kernen. Auf die vollen Backbleche, auf eine warm erleuchtete Küche, in deren Ofen etwas geschoben wird. Vielleicht wird noch ein flauschiges Katzenbaby im mit Kissen ausgelegtem Korb neben dem Ofen gezeigt, um sich Sympathien beim jüngeren Publikum zu sichern.
Ich schaue mir die Polaroids an, denn anders als im Film behalte ich meine Erinnerungen nicht nur im Kopf. Streiche die umgeknickten Enden glatt und werfe einen Blick auf meine zwei Gläser.
Ein Huckepackbild schwebt durch meinen Kopf. Ein schwankendes Monster mit zwei Köpfen.
Ein, drei, sechs Früchte, die es nicht an dem Mund vorbei in die Schüssel geschafft haben.

Die Stadt draußen vor meinen Fenstern wartet noch ein bisschen, bis ich wieder angekommen bin. Obwohl es ihn einen feuchten Kehricht interessiert, würde im Roman der Mond jetzt durch das ungeputzte Küchenfenster blinzeln und mit seinem blassen Licht zweimal den selben Schriftzug erhellen.
Pflaumenmus 08/09.

Schnitt.

wunderbarbar

16 Aug

bank_see

hundert kleine pflasterplastestreifchen hast du schon abgezogen und in den mülleimer geworfen. unzählige kleine wunden und kratzer, risse und bläuliche fleckchen kriechen über arme und beine. wer mit dem monster spielt. manchmal gibt es die raue zunge auf der wange und manchmal beißt es dir in den zeh. jedes mal wischst du die bluttröpfchen ab und ziehst ein pflaster aus der hosentasche. die mit den weißen punkten drauf und die immer die klebespuren hinterlassen. die auch schon deine oma immer dabei hatte. knuffig ist das monster anzusehen. mit großen augen, gerundeten bäckchen und einem kugelbauch. aber wenn du dich einen moment zu lange sonnst, beißt es dir in die hand, die es die letzten stunden gern gehalten hat. noch zwei plastestreifen mehr im müll dieser welt, denkst du und beißt die zähne zusammen. das kleine monster gluckst und streicht dir über die wange.

am nächsten morgen wachst du auf und dein linker zeh tut weh. auch dein rechter zeigefinger und beide ohrläppchen. das monster steht am fenster und guckt zwischen den vorhängen den autos nach. ein haarbüschel liegt neben deinem ohr. etwas panisch tastest du mit der linken hand nach deiner hose, die nachlässig auf dem boden liegt. du ziehst sie mit dem stöhnen der anstrengung des verschlafenen morgens an dich heran und gräbst nach ein paar pflasterstreifen. dabei berühren deine gesunden finger das erste mal den hosentaschenboden. während du nicht genau weißt, welche wunde du dir zuerst lecken sollst, denkst du das erste mal daran, was passiert.

wenn du einmal mal keine pflaster mehr hast.

zauberei

5 Aug

wenn worte in anderen köpfen bilder werden und die eigenen übertreffen.

bluemonster
gemalt, gezaubert, worverwandelt von kassiopaia zu once in a bluemoon.

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