Archiv | Januar, 2010

ishavet

30 Jan

:

jeder schritt ist ein stapfen und ein bisschen anstrengend, aber du hast dich dran gewöhnt. ein bisschen. das erste mal das meer hier sehen ist wie in ein zauberland zu stolpern. eiswüste, so hab ich mir dich vorgestellt. überall blitzen und blinken, die sonne scheint nach zwei wochen. eiskristalle, schneewellen und wind, der in die nase beißt. wunderbar.
das meer ruft und du möchtest immer näher heran. unter jedem weiteren schritt könnte schon wasser sein. du stapfst, schnaufst und tastest dich so weit du dich traust und atmest ein. die arme weit. ihr habt euch lange nicht gesehen. der schnee knabbert sich an deinen hosenbeinen entlang in richtung knie.  du stehst wie ein zuckerwattenprinz, deine füße in wolken verschwunden.

:
:

:
:

(eismeer)

vinterunder #1

28 Jan

in die eigenen fußstapfen treten können.

_____

(winterwunder #1)

tyskland

25 Jan

alle, die schonmal weg waren können hier aufhören zu lesen, denn es kommt nichts interessant erleuchtend-neues.
alle anderen, oder die, bei denen es schon zu lange her ist, bitte schön. einmal mitseufzen bitte.
mensch, ist das anstrengend.
du merkst gar nicht, wie eingespielt du doch bist, in deiner heimat, deiner stadt, deiner sprache, deinem bezirk, deinem zimmer.
und plötzlich packst du die sachen und denkst, mensch schön so eine abwechslung, endlich mal raus hier, aber endlich mal raus hier heißt auch weg vom fenster. ab in die erste klasse. das erste mal neu sein.  das erste mal sich doof fühlen beim einkaufen, weil man es wieder nicht verstanden hat. neuanfangen. neuintegrieren. neu fingernachfreundenaustrecken und festhalten. neu das kopiersystem der uni verstehen (!) oder eben daran verzweifeln, neu die schnellsten wege finden, neu den schreibtisch organisieren ohne das praktische blumen-pappteil, das man schon seit ewigkeiten zuhause rumstehen hat, und dem man ohne zu zucken tschüsselchen gewunken hat und das man hier jetzt schmerzlichst vermisst, denn du ertrinkst in blätterstapeln. ungelocht im übrigen noch dazu, denn jedes land scheint so seine eigenen vorlieben zu haben. hier sind es ungelochte papierblöcke. und du kommst dir komisch vor, weil du überhaupt darüber nachdenkst und jammerst, aber es sind so viele, so kleine, viele  -igkeiten, die neu sind, dass du manchmal dich in dein bett verkriechen willst und deinem ordnersystem zuhause heiße liebesbriefe schickst, ebenso den drogeriemärkten und den videotheken, die nicht 4,80 von dir pro tag verlangen. und dann kannst du deinen jammer noch nicht mal dramatisch in alkohol ertrinken, weil es verdammt noch mal zu teuer ist. nicht, dass du je etwas in alkohol ertränkt hättest,  aber die möglichkeit hättest bitteschön du dann doch ganz gerne.
also ziehst du dir einmal pro zwei wochen die bettdecke über den kopf, lutschst dir mit der milkaluftschokolade von zuhause den jammer von der zunge und liest in deinem deutschen pferdebuch weiter das heimweh aus dem herzen und das fernweh hinein.

________
//gelernt: garfield heißt hier gustav.
und das gefühl, dass du mal sagen wolltest: deutschland ist schon ganz okay – jedenfalls aus der ferne betrachtet.
//angewandt:  ziemlich viele „in deutschland ist das so“satzanfänge.
________

(deutschland)

„stealing a bike here in lund is no crime. it’s just considered bad behavior.“

24 Jan

wehe euch!
(ischwör, n wütendes ich is keen schöner anblick.)

these first nights

21 Jan

.
manche menschen werden immer an der oberfläche strampeln, den kopf krampfhaft übers wasser haltend.
und andere wirbeln mit ihren fingerspitzen sofort sandwölkchen an deinem meeresboden auf.

:

was du dir als erstes an deine wände hängst #1

19 Jan

in der ferne


und du so?

home is

18 Jan

Die Mama von der Amerikanerin ist da und es ist, wie Gilmore Girls nebenan.
Lachen durch die Türen, durch die Nacht, home-is-where-your-mama-is-gestickte Topflappengeschenke und im Wohnzimmer sitzen sie abends, sie hält die schlafende Tochter im Arm, wie eine Katze. Bewegt sich kaum, um sie nicht aufzuwecken. Atmet ganz vorsichtig, streicht mit glänzenden Augen über ihr Wolldeckenkind und seufzt leise.

utan ords

16 Jan


(ohne worte)

och

16 Jan

knäckebrot und busfahrkarten und butter und
zahnpasta, milch, popse und papier und
saft und schampoo und kalender  und
bettwäsche, creme und stifte und
feinwaschmittel, milch  und
briefumschläge, eier und
alufolie, majo und
fahrräder und
käse und
gurken
und.
keine jobs. für niemanden.

umrechnen und stöhnen und ausrechnen und kassenbons sammeln und abziehen und sich alles teilen.
von wegen erasmuspartys und sich besaufen. als ob man sich geld in den hals schütten leisten könnte. nein, man sitzt zuhause, guckt alte serien und knabbert an seinem brot, während man ausrechnet, wie lange man vom eiersalat leben muss, damit man sich diese schön dicken hausschuhe leisten kann.

______
fürheute
//gelernt: fast alle schwedische kalender sind hässlich. und teuer. und liniert.
//angewandt: orientierungsfähigkeiten, die stolz machen: das eineuntervielen unigebäude auch von einem ganz anderen weg finden. ‘das müsste es eigentlich sein’ denken und: recht haben. yeah.
______

(und)

småland

14 Jan


die studentenverbindung, die mir gefällt, ist natürlich genau die, von denen man so denenwirdbestimmtbalddiealkoholausschenkerlaubnis eingezogen-geschichten hört. (was hört man nicht immer alles für geschichten.)
aber es ist eben auch die einzige mit politischem und gender-anspruch und veganem essen und interdizipliniärem ansatz…
vielleicht werd ich dieses semster also mal eines von den coolen outsiderkids, die irgendwie anders sin und sich so richtig engagieren und so subversiven kram machen und naja. wie subversiv man so in lund sein kann vielleicht. jedenfalls habe ich bisher ein ehrfüchtigabschätziges menschmensch coolsindseja,aberichgehdajanich hin geerntet.
oder hier in lund ist man eben ein bisschen weicheiiger, als so berliner gören und findet alles gleich extrem, was nicht genau das mittelmaß ist. eben wie diese ohgottohgottmädelgehhierbloßnichtallein
abendsaufdiestraßehieristvorzehnjahrenmalwaspassiert.
ein friedrichshainer grinsen sei sich hier verkniffen.
wir werden sehen.
vi ska se.

(aucht katze hat heute ein lachen provoziert, als sie beim spielen mit dem plastezumachding übermütig in die luft sprang und sich dann über sich selbst erschrocken hat und unter den stuhl gesaust ist.)

__________
fürheute
//gelernt: dass man auch so moderat frieren kann, dass es schon irgendwie dazugehört zum draußengefühl
//angewandt: deutsche am englischsprechen erkennen. level: sehr einfach. mich eingeschlossen.
__________

katten

12 Jan


auch wenn man zwanzig minuten zur uni durch den schnee stapft und dann zurückgeschickt wird, weil der perso im lundzuhause liegt,

und dann zurückstapft und eine station zu früh aussteigt und den schnee so richtig ins gesicht kriegt
und dann den perso holt und die treppe runter will aber runter fällt,
und dann der kleine finger und die eine pohälfte weh tut,
und dann mit schmerztränen in den augen den bus vor der nase wegfahren sieht,
und dann von einem fahrradopa auf schwedisch angemeckert wird,
und dann durch den schneewind wieder zur uni muss und nach einem dahierdeinorientierungsspaket,undhejdå wieder geht,

ist alles vergessen, wenn die katze im zimmer auf dich wartet und ihr pfote in hand einen mittagsschlaf macht.

______
fürheute
//gelernt: dass ich es als spießig-vorher-kümmerige deutsche doch ganz gut hab und am arrival day nicht wie fünzig andere ohne zimmer dastehe und zwei stunden auf einen verteiler-termin warten muss.

angewandt: erste schwedische konversation mit der schwedischkoordinatorin und perfektionierung des unpackings und zimmerheimeligmachens.//
_______

(die katze)

i stan

11 Jan

einrichtungsorgie mit meditativem beschäftigungsanspruch.
anosonsten langsam protestierende füße (bus ist teuer. und fahrrad… nunja. es ist winter findet mein frier-ich),
rechtzeitiges kopfducken beim badaussteigen, bei haarshampoopreisen das tägliche brot schwinden sehen, den schuhen der anderen neidisch nachschauen, zum discounter am stadtrand reisen und ein wenig täglichbrothoffnung schöpfen.

vermisst heute: meine hunderttausend bügel (wie machen das kommodenleute bloß), duschpuschel
kennengelernt: die erste abkürzung.

morgen dann mit flattrigem blutdruck zwischen 8am und 9pm (!) zum arrivalday, ein „orientation-present“ bekommen,
das nächste halbe jahr näher anschauen und und die entscheidung treffen, wieviele erasmus-events in einer woche noch gesund sind.

hej då.

_______
fürheute
//gelernt: lund ist größer als gedacht, hat mindestens zwei snowboardläden, aber keinen drogeriemarkt.
angewandt: erweiterte zwiebeltechnik und ohrringsortierfähigkeiten. //
_______

(in der stadt)
___________________

jag skulle vilja ha

10 Jan


am ersten schwedentag asiatisch kochen.
außerdem mieze streicheln, halloteetrinken, witze auf englisch und burgerbestellungen stolz auf schwedisch vortragen – und die nachfrage sogar verstehen. (sich das erfreute grinsen darüber natürlich nicht verkneifen können) ansonsten die zahnbürste im zimmer aufladen und sich den kopf am badtürrahmen stoßen, das eine bild von der wand nehmen und ein stück heimat aufhängen, ein vermisstes stück schweden in den mund schieben und das mädchen gegenüber begrüßen.

und jetzt verabschieden sich matratze und ohr zu ihren nächtlichen orgien und ich träume
von thermosocken.


:
:

:

_______
fürheute
//gelernt: hier gibt es nicht für jede_n ein messer, sondern für jeden aufstrich eines.
angewandt: frierstepptanz. dreimal//
_________

(ich hätte gern)

in sicht

9 Jan

dort hinten, wo der himmel das gras blau färbte, waren hell im wind wippend ihre haare schon zu sehen. fast konnte ich ihr gesicht erkennen. die lippen wie immer schief zu einem lächeln gekräuselt.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.