Von Mika und den Traumblasen

traumblase.jpgMika summte leise vor sich hin, während sie wieder sanft im Gras landete, eine der watteweichen Traumblasen in den Händen. Sie öffnete sie behutsam und blinzelte kurz hinein. Im Dunkeln der Höhle, die sie mit ihren Händen formte schimmerte es schillernd und geheimnisvoll. Ganz vorsichtig legte Mika die Traumblase ins schattige Gras, neben die anderen drei, die sie schon aus der Luft gefangen hatte. Nach einem letzten Blick auf die neueste Blase, die sich noch ein wenig hin- und herbewegte, so als sei sie von etwas erfüllt, das zum Wellenrauschen tanzte, richtete sich Mika mit einer fließenden Bewegung wieder auf und suchte in der Luft nach weiteren Traumblasen. Sie waren schwer in der Sonne erkennbar, aber als kleines Schillern im Augenwinkel erkannte Mika sie dann doch meist.

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Mika stieß sich langsam mit den Füßen vom Boden ab, schwebte mehr als dass sie sprang, und bewegte langsam ihre Hand der nächsten Traumblase entgegen. Dabei versuchte sie, so wenig Wind wie möglich zu machen, weil ihr sonst das zerbrechlich leichte Wunder im Windhauch davongeflogen wäre.

Doch selbst Mikas Haare bewegten nur sacht ihre Spitzen, als sie sich vom Boden abstieß, so als schien alles an ihr sich mit jeder Faser auf das Traumblaseneinfangen zu konzentrieren. Mika streckte ihren kleinen Finger noch ein wenig weiter und machte eine winzige Beugung. Die blau durchscheinende Traumblase, die nur einen Grashalm breit von ihrer Hand durch die Luft geträumt war, bewegte sich nun langsam auf Mikas Hand zu. Sobald sie sacht ihren Handteller berührte, fühlte Mika ein leichtes Kribbeln in den Ohrspitzen und lächelte. Sie formte mit ihren Händen wieder eine Höhle und streckte ihre Füße, um sanft auf dem Boden zu landen.

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Als die Nachmittagssonne etwas tiefer stand, so als würde sie sich sanft dem Horizont entgegenbeugen, um ihm eine Vorahnung des abendlichen Kusses zuzuflüstern; lagen eine Armvoll Traumblasen im Gras und schimmerten geheimnisvoll. Mika kniete neben ihnen und strich mit ihren Händen sanft über die Oberfläche, während ihre Augen das Schimmern der Traumblasen angenommen hatten und nun eine Fröhlichkeit ausstrahlten, die die Luft ringsherum flirren ließ. Mika löste ein paar Haarsträhnen aus ihrem Zopf und verband so die Traumblasen zu einem schillernden Kranz.
Mit leichtem Herzen dachte sie an Luka und als sie die Augen wieder öffnete, stand sie vor ihrem Baum. Mika suchte mit den Augen den Wipfel ab, doch sie konnte Luka nirgends finden. Also hängte sie den Kranz an einen jungen Zweig und träumte sich den Weg zurück auf die Lichtung, von der sie jeden Nachmittag der Sonne zusah, wie sie mit den jungen Blättern der Bäume schäkerte.

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Als sie, wie jeden späten Nachmittag, mit ausgebreiteten Armen im Gras lag, spitze sich ihr linkes Ohr. Sie hörte, wie jemand wunderbar leicht sich über die Lichtung ihr näherte. Als Lukas Schatten über sie fiel, lächelte Mika und streckte ihr die Arme entgegen. Luka ließ sich in die Umarmung gleiten und drückte Mika fest an sich. Diese lächelte immer noch und sog den Duft der Sonnenflecken in Lukas Haar ein, der ihr Herz hüpfen ließ.
„Warst Du schon bei Dir?“ fragte Mika mit den Augen. Luka schüttelte den Kopf und ihre Haarspitzen wippten etwas müde mit. Sie war also auf direktem Wege hierher gekommen, um mich zu sehen, lächelte Mika in sich hinein und nahm Lukas Hand. Dann schloss sie ihre Augen und dachte an Lukas Baum, während sie die bekannte Schwerelosigkeit erfüllte. Luka erging es nicht anders.

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Beide öffneten ihre Augen gleichzeitig, als sie vor dem alten Baum standen und Mika entdeckte den Traumblasenkranz sofort. Er hing immer noch an dem kleinen Zweig. Doch Lukas Blick glitt an ihm vorbei, hinauf in den Wipfel, der einen langsamen Tanz mit dem Wind träumte.
Sie nahm Mikas Hand und wollte hinaufklettern, als Mika auf den Kranz deutete. Sie glaubte, ein müdes Flackern in Lukas Augen zu sehen, doch als Mika sie blinzelte war es fort und Luka kniff die Augen fröhlich zusammen. Sie nahm den Kranz vom Zweig und setzte ihn sich auf. Sie sah so wunderschön aus, dass Mika nicht anders konnte, als ihr sanft die Hand in den Nacken zu legen und sie leise zu kitzeln. Luka lächelte ihr zu und kletterte als erste den Baum empor. Mika folgte ihr.

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Oben angekommen und etwas außer Atem ließ sich Mika auf die Blätterdecke fallen, ganz dicht neben Luka, die den Kranz in den Händen drehte. „Danke“ sagten ihre Augen und dann fielen sie ihr zu. Die Hände unter ihrer Wange schlief sie sofort ein, kaum dass ihr Kopf die Blätter berührte.
In dem Moment platze die erste Traumblase, weil Luka den Kranz unachtsam zur Seite fallen lassen hatte und sie nun mit ihrem Kopf genau darauf lag. Nach und nach fielen die Blasen in sich zusammen und Mika musste mit ansehen, wie sie ein letztes Leuchten von sich gaben, ehe sie als kleine Wattewölkchen in die Luft stiegen.

Als das letzte Traumblasenschimmern erloschen war, schillerten nur noch die Tränenspuren auf Mikas Wangen im Mondlicht.

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8 Gedanken zu “Von Mika und den Traumblasen

  1. Und siehst du die Schuld bei Luka? Oder denkst du, es ist eher so eine dumme Sache, bei der es keinen Schuldigen gibt?
    Klar immerhin ist Luka Schuld an Mikas Tränen, aber ja nicht absichtlich, sondern versehentlich. Oder denkst du, da steckt trotzdem ein Stück Absicht dahinter, weil Luka ja, so müde sie auch war, immerhin den Kranz hätte vorsichtig beiseite tun können und Mika erklären, dass sie sich später damit beschäftigt. Aber hätte Mika das verstanden?

  2. Anj: Schuld gebe ich keiner von beiden. KLar hätte Luka den Kranz rücksichtsvollererweise noch kurz zur Seite legen können, bevor sie einschläft, aber nunja. Mika hatte eben andere Erwartungen und da gibt es nun mal oft Enttäuschungen, wenn die nicht so erfüllt werden. Und dass Luka so müde war, war nun eben ein dummer Zufall.
    Aber ja, ich denke, Mika hätte es nach einer Minienttuschung total gut verstanden, wenn Luka sich erst am nächsten Morgen den Kranz ganz genau angeschaut hätte, weil das ja auch zeigt, wie sehr sie das ernst nimmt. Nunja, vielleicht das nächste Mal:-)
    Was hättet Du denn gesagt? Wem gibst DU die „Schuled“, wenn Du nach Shculd fragst?

    Claudi: Ich habe mir jetzt das Album in der Bibo bestellt und hole das heute oder morgen ab! Yay!

  3. Oh nee, ich hab gar nicht über Schuld nachgedacht, ich wollte nur wissen, ob du das getan hast, bzw ob Schuld in dieser Sache für dich überhaupt eine Rolle spielt.
    Ich glaube, dass einem viel zu wenig klar wird, dass man auch Verständnis für andere braucht.

  4. Sag mir dann mal, ob der Rest des Albums auch gut ist und vielleicht könntest du mir eine Sicherheits… na ja, du weißt schon. *knick knack zwinker zwinker* Ich habe nämlich huete dauernd das neue Lied gehört von dem guten Miak und gerade festgestellt, dass „Relax- Take it easy“ auch für eine Werbung verbraten wird.

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