Antonia und die Wunderblume

Antonia hatte eines kühlen Morgens die schönste Blume in ihrem Beet entdeckt, die sie je gesehen hatte. Sie war lila mit kleinen weißen Sprenkeln auf den Blüten und hauchdünnen blauen ovalen Blättchen zwischen den runden lilafarbenen. Wenn die Sonne sie kitzelte und kleine
Sonnenflecken auf die Blütenblätter zauberte, schien die Blume aus dem Inneren zu Leuchten und der Sonne entgegenzustrahlen. Antonia krabbelte jeden Tag zu ihr ins Beet und sprach mit ihr, zupfte das Gras aus ihrer Nähe weg, strich mit ihrer Wange über die Blättchen und brachte ihr den Morgentau, den sie kurz vor Sonnenaufgang für sie in der hohlen Hand von den einzelnen Grashalmen gesammelt hatte.

Doch jeden Tag zitterte Antonia mehr. Zitterte vor Angst, dass ihr Blumenglück vorbei sein würde. Dass die Wunderblume welken oder einfach verschwinden würde. Je mehr sie sich an der lilafarbenen Blume freute, desto glücklicher war ihr sie. Jeden Tag atmete sie auf, wenn sie mit lehmverschmierten Knien bei der Blume ankam, und sie noch genauso schillernd wiederfand, wie am Tag zu vor. Und jeden Tag weinte sie im Schlaf vor Angst. Angst, dass dieses Glück eines Tages wie eine silberfarbene hauchdünne Christbaumkugel zu Boden fallen würde. Auf den Boden schlagen und an ihm in tausend kleine Splitter zerspringen. Tausend Splitter, die sich schmerzhaft in ihr kleines Herz bohren würden.

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6 Gedanken zu “Antonia und die Wunderblume

  1. Ob das eigentlich immer so ist, dass man, wenn man über einen längeren Zeitraum hin glücklich ist, Angst davor hat, dass dies vorbei geht? Eigentlich erschien mir das logisch, aber mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher. Vielleicht gibt es auch so Glücksarten, über die man nicht so viel reflektiert und deshalb keine Angst vorm Ende hat…

    Vielleicht sollte man (kleiner Versuch eines Rates an Antonia) einfach das Ende oder die Unterbrechung des Glücks nicht als soooo schlimm betrachten, sondern einfach damit klarkommen, dass das dazu gehört und danach das Glück iwederkommen kann. Es ist ja auch nicht soo schlimm, mal eine Weile rundum glücklich zu sein.

  2. Ich glaube, dass sie – je wichtiger einem das Glück wird – immer schlimmer wird, die Angst, es zu verlieren. Antonia mag vielleicht in eine eher auswegslose Situation geraten sein, weil die Blume über kurz oder lang warhscheinlich doch zu Erde wird, aber andererseits gäbe es noch Hoffnung in Richtung einer längeren Lebenszeit und dass aus der blume vielleich tdoch irgendwann ein großer Blumenstrauß wird, der mit festen Wurzeln im Boden ankert.

    Aber wie kann versuchen, sich damit abzufinden, dass es irgendwann ohne Glück weitergeht, ohne nicht schon dadurch Abstand herzustellen und sich schon sozusagen vom GLück zu verabschieden??
    MAn kann eigentlich nur an Sicherheit gewinnen, wenn das Glück immer länger dauert, aber gerade das ist ja acuh recht trügerisch. ich sehe da so ziemlich keinen Ausweg…Aber es muss ja auch nicht immer einen geben.

  3. Hm, kommt darauf an, auf welche Art von Glück man anspielt. Nimm mal so ein Beispiel: Ich bin zur Zeit sehr glücklich mit meiner Unisituation (Anm: das sit ein erfundenes Beispiel!!!), weil mir alle Kurse Spaß machen und ich mit den Hausaufgaben hinterherkomme, aber ich weiß genau (oder vermute es), dass sich das ändern wird, weil ich in zwei Monaten fünf Prüfungen haben und dann achtundzwanzigmillionen Bücher lesen muss. Aber ich habe nicht so große angst davor, weil ich weiß, dass das nunmal dazugehört und es ja wieder vorbei gehen wird.

    Klar gibt es auch adnere Beispiele, bei denn das nicht so einfach wird. Ich will nur sagen, „Glück“ ist ja sehr weit gefächert und da treffen eben so Beispiele wie oben genannt auch zu.

  4. Ja klar, da hast Du recht. Es ist immer alles anders, wenn man es aus anderen Blickwinkeln und mit anderen Beispielen sieht. Mir ging es auch nur darum, Antonias Geschichte zu erzählen und nicht zu sagen, dass Glück genrell mit Angst verbunden sein muss. Aber selsbt bei dieser Unisituation würden bestimmt einige Menschen anfangen, sich vor dem nächsten Semester zu grämen. Da hilft dann nur „Drop the thought!“:-)

  5. naja, aber wenn die blume auf einem gut gepflegten beet steht, dann spricht ja auch nichts dagegen, dass sie da sehr lange steht. solange kein blitz einschlaegt oder eine sintflut kommt. und wenn sie dann doch mal verwelken sollte – dann ist das so weit weg, dass man versuchen kann, das zu verdraengen.

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