Blogbacken die Zweite

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Wie angekündigt, habe nicht nur ich Alex und mein Backvergnügen in einen Text umgewandelt.

Während ich mich langweilig ziemlich nah am Geschehen und meine lahme Fantasie im Zaum gehalten habe, hat Alex hat die Muse geküsst (sie ihn , er sie? ich weiß es nicht) und unser Erlebnis zu einer fiktiven Geschichte gezaubert.

Es gibt keinen Titel, da hatte die Muse wohl keinen Bock mehr auf Knutscherei mit Alex, oder ich sage einfach mal, die Geschichte spricht selbst für sich. Nun ist der lang ersehnte Augenblick da und ihr dürft Freudensprünge vollführen! Hier ist Alex‘ Geschichte. Vorhang auf und losgelesen:

Neulich saß ich mit meiner Mutter zusammen auf ihrer Meckpommerschen Veranda mit Blick auf die unendlichen Weiten der norddeutschen Prärie und wir unterhielten uns: Wir tauschten Erfahrungen aus über eine alte Familientradition, die ich als Kind immer sehr genossen habe: das Kuchenbacken.

Anlass des Gesprächs war eine vor kurzem stattgefundene Kuchenbackaktion von Ani und mir – kurz vor Mitte einer viel zu warmen Frühlingsnacht breitete sich der süße Duft eines kleinen aber bestimmt leckerst schmecken werdenden Karottenkuchens in unseren Nase aus, aber der Reihe nach. Der Gegenstand unseres Mutter-Sohn-Gesprächs konzentrierte sich nämlich eher auf die Zubereitung des konditorischen Meisterwerks.

„Waaas?“ -yellt meine Mutter in die Ruhe der mecklenburgischen Nacht. „Ihr habt die Butter auf dem Herd warmgemacht, damit sie sich leichter mit dem Mehl vermischen lässt?“. Gebannt starre ich auf das zitternde Wasser im Glas vor mir, als meine Mutter zur Demonstration ihrer Abneigung gegen erwärmte Butter mit ihrem rechten Hinterlauf aufstampft. „Ihr könnt doch nicht die Butter warm machen. Da geht doch, also… als wir früher, weißt du noch?“ Ja weiß ich noch. 250g Butter werden am Stück in die Schüssel gegeben und mittels Handkraft und Keule mit 500g Zucker vermengt. „Weißt du noch, wie du als kleines Kind versucht hast, die steinharte DDR-Butter kleinzukriegen? Das war das beste Krafttraining, was du bekommen konntest.“ Meine Mutter schaut stolz auf ihren Sohn, der dank Butterkrafttraining keine Butter in den Armen bekommen hat.

„Danach haben wir 500g Mehl in den Teig gegeben und untergerührt“ – meine Mutter lächelt meinen Ausführungen folgend – lenke ich das Gespräch zurück zum Kuchen. „Ani hat so einen tollen Mixer, sogar mit einem Turboschalter. Was es nicht alles gibt heutzutage…“ – „Waaas? Mit einem Mixer? Ihr könnt doch nicht mit einem Mixer…also“. Haben wir aber. Meine Mutter zeigt mir ihre Verachtung dieser neumodischen Firlefanz-Backmethoden, indem sie wie zufällig mit ihren linken Bizeps spielt, der durch jahrelanges händisches Kuchenbacken mit harter Butter und viel Mehl einen beachtlichen Umfang angenommen hat. Die letzten Jahre Holzhacken und Acker bestellen, hier, in ihrem Gartenreich, haben ihr Übriges getan.

„Parallel dazu habe ich dann ein paar Möhren mit einer Reibe zerkleinert.“ – Ein erneuter Schrei aus Richtung des zum Hocker umfunktionierten Bierkastens zu meiner Rechten schneidet mir das Wort abermals ab. Da Edelstahl im Osten teuer war, hatten wir es wie so viele Familien nicht zu einer mechanischen Möhrenreibe gebracht. Stattdessen hatte meine Mutter alles Gemüse und Obst einfach an den Borsten ihres linken Unterschenkels zerkleinert, was sich als eine sehr zuverlässige Methode entpuppt hatte. Seit der Wende, seitdem alle eine Edelstahlreibe aus dem Manufactum-Katalog haben, schmecken die Kuchen einfach nicht mehr wie damals. Außer zu Hause bei Mama, nach altem Rezept.

„Dann fehlten eigentlich nur noch 4 Eier.“ fahre ich fort. „Ihr habt doch hoffentlich das Eiweiß vom Eigelb getrennt?“ das Vertrauen meiner Mutter in meine Backkünste scheint nach dem, was sie bisher erfahren musste, etwas erschüttert zu sein. „Ja klar. Einfach zwei Tassen genommen und das Ei am Rand vorsichtig aufgeschlagen und dann das gelbe links, den Rest rechts.“ – „Ja Junge hast du denn überhaupt nichts gelernt von deiner Mutter? Weißt du das auch nicht mehr? Eier, Tassen?“. Wieder zittert das Wasser im Glas vor mir. Das hilft den Erinnerungen auf die Sprünge, eine weitere Spezialität meiner Mutter: Den Kiefer möglichst weit aufsperren und das Ei als Ganzes einführen. Durch einen entschiedenen Ruck im Gebiss hatte sie das Ei jeweils entlang ihrer Amalgamkante sauber in zwei Hälften getrennt und anschließend durch eine schmale Öffnung der Lippen das flüssigere Eiweiß in ein Gefäß ablaufen lassen, wo es allein durch die Kraft und Schnelligkeit ihrer Finger zu weißem Schaum wurde.

Wehmütig ob der alten Zeiten führt meine Mutter dieses Rezept zu Ende: „Noch ein bisschen Salz und Dreck aus dem Blumenkasten für die Würze und dann ab in den Ofen.“ – Das Holz dafür hat sie heute Vormittag schon höchstpersönlich gehackt. Langsam bahnt sich ein süßlicher Duft den Weg auf die Terrasse in unsere Nasen. Essen ist fertig.

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19 Gedanken zu “Blogbacken die Zweite

  1. hmja, das ist sie tatsaechlich. hoffentlich liest sie das hier auch nie. und konflikte gibt’s eigentlich auch keine – hm, obwohl. ich durfte da einmal beim backen die schuessel nicht auslecken… naja. hab wohl zu viele komische filme geguckt :)

  2. Hm, aber dass man „früher“ nicht mit dem Mixer gemixt hat, is ja nu auch Humbug, da ist deine Mutr ein Ausnahme. Meine Mutter aht nämlich immer noch ihren orangen DDR-Mixer, mit dem wir schon immer Kuichenteig durchgenudelt haben. IN welcher DDR hat bitte Alex‘ Mutter gelebt???

  3. @Alex bleibe dabei iihhhhh

    so allgemein ist mir auf jeden fall aufgefallen das der herr der schöpfung die an sich langweilige Backorgie mit anderen total fiktiven Dingen ausschmücken musste.

    Das Beweist das Männer dies tun müssen, wenn eine geschichte Langweilig ist müssen männer sie halt ausschmücken, der Vortiel daran ist halt das die Story von Alex a bissel interessanter ist als die von Ani (I`m soooo sorry.), nachteil er LÜGT…

    Naja ein weiterer Beweis dafür das Männer immer 40 % wahrheit und 60 % Interesantes erzählen.

  4. zum Mixer: Wir hatten einen weißen. Glaub ich. Heißt aber immer noch Handührgerät. Ein Mixer ist was gaaaaaanz anderes. So. Das musste ich mit meiner „Lizenz zum Backen“ nochmal loswerden;-)

    zur Backorgie: die war gar nicht langweilig. Fand ich jedenfalls nicht. Immerhin habe ich viel gelacht:-)
    Was meinst Du, Alex? Hast Du etwas fiktiveres geschrieben, weil der Backspaß an sich zu langweilig war?

  5. Mich würde jetzt aber auchmal interessieren, wo der Alex denn lügt. Ales, hast du etwa etwas wider besseres Wissen aufgeschrieben? Ich bin entsetzt! ^^
    Ja klar, Handrührgerät, natürlich, ein Mixer ist ja wirklich das für die Getränke und so Krams…

  6. Ich schmeiß mich hier gerade weg vor lachen! Herrlich! Aber Alex, weiß deine Mutter, wie du ihre Beistoppeln bewertest und was du hier sonst noch so schreibst? ;) Klingt nach einem sehr innigen Mutter-Sohn-Verhältnis.

    Wir hatten übrigens den weißen DDR-Mixer. Gott habe ihn seelig. Ende des letzten Jahres hat er dann doch seinen Dienst quitiert und ist von uns gegangen.

    Übrigens habe ich manchmal auch so Anwandlungen alles ganz altbacken zu machen und den Teig höchstpersönlich mit meiner eigenen Kraft (Ha ha! Ein Witz!) zu kneten und zu mischen. Ach, irgendwann werde ich auch mal so einen alten Kaufmannsladen besitzen, wie er oben auf dem Schrank steht. Nur in echt. Und mit einer Gewichtwaage. *träum*

  7. hach, endlich mal jemand mit gleichwertigem erfahrungsschatz :) wie bereits angedeutet, ist meine mutter nicht eingeweiht … und das ist auch gut so (haha).

    hach toll, der mixer hat sein land um 17 jahre ueberlebt – das muss man erstmal schaffen. ich hoffe, ich werft ihn nicht einfach weg sondern stellt ihn in die vitrine zu den anderen sachen (einkaufsnetz, ostgeld, geschirr mit blauem zwiebelmuster….)

  8. das Einkaufsnetz wird wieder modern. Da bin ich mir sicher.
    Und sicher bin ich mir außerdem noch zu fast 99 %, dass das Handrührgerät hieß und heißt^^
    Schließlich muss man es ja immer noch mit der Hand führen…also quasi immer noch handgerührt…;-)

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