Fensterbaum

Zum Anfang der Knisterzeit gehört immer, dass der Baum vor meinem Fenster gegen mich gewinnt. Könnte er sprechen und Grimassen ziehen, würde er mir eines Morgens mit entsprechendem Gesicht ein Ha! entgegenrufen.

Ich habe doch jeden Tag aufgepasst, aus dem Fenster geschaut und die kleinen Schlafsäcke betrachtet, in die sich die Blätter kuscheln und aus denen noch nicht mal ein kleiner grüner Zipfel herausguckt. Nicht einer. Tag für Tag. Und trotzdem hat der Baum es wieder vollbracht. Hat alle Blätterknirpse in einer Hauruckaktion aus ihren Betten geschüttelt und herauspurzeln lassen. Reckt sich dann grün grinsend in der Sonne und klopft an jenem Morgen schadenfreundlich an mein Fenster. Er hat gewonnen, hat mir den übertölpelten Blick abgeluchst. Den verwirrten, den, mit dem ich mich frage, wie ich ihn schon wieder verpassen konnte. Den Frühlingsanfang außerhalb des Kalenders.

Aber nächstes Jahr, fuchtele ich dem windwippendem Baum entgegen, nächstes Jahr passe ich besser auf. Sage ich mir. Wie jedes Jahr.

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6 Gedanken zu “Fensterbaum

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