Auch in den Beinen


Dass ich am Montagmorgen nicht mehr in den Unifahrstuhl reinpasse, macht mir gar nichts. Dann laufe ich eben die paar Treppen in den vierten Stock. Kein Problem. Steht ihr euch nur alle das Fett in den Bauch. Die Fahrstuhltür schließt sich und frisst einen Jackenzipfel während ich mich auf den gesundheitsfördernden Weg mache. Trepp auf.

In den unteren Stockwerken muss ich noch aufpassen. Muss der Professorin mit der großen Tasche ausweichen. Auch dem blonden Jungen mit dem Kaffeebecher in der Hand und den Augen auf dem Hintern seines Vordermannes. Den ebenfalls nach oben Treppenden werfe ich einen abschätzigen Seitenblick zu. Wir sind nicht viele. Stufe für Stufe wird es immer leerer und die letzten verlieren sich zwischen Etage zwei und drei. Die Treppe zur vierten ist komplett frei. Ah, ihr Luschen, ihr, die ihr alle den achsobequemen Aufzug nehmt, und früher sterbt als ich. Ich mit meinen jungen 22. Ich, die sportliche Studentin. Die es nicht nur im Kopf hat, sondern auch in den Beinen. Jawoll! Treppaufsteigerin der Woche.

Ich bin ganz allein. Super ist das! Noch eine Stufe hinaufhüpfen und noch eine. Ach, was sage ich da. Schweben! Kein anderer mehr neben mir, den es bis hier oben verschlagen hat. Keiner, der nicht doch zu faul ist und lieber den Aufzug nimmt, auch wenn man 20 Minuten warten muss, bis man reinkommt. Und dann immer zu spät ins Seminar reinplatzen, ja, aber Hauptsache Fahrstuhl.
Ha, aber ohne mich. Ich schwebe gerade die dreieinhalbte Treppe hoch. Ganz allein. Nur ich und die Treppe. Nur ich. Und die Treppe.

So bleibt dann auch unter uns, wie ich auf den vorletzten Stufen plötzlich prustend Halt mache und mich Geländer klammere. Nach LuftLuftLuft schnappend, die Beine nicht mehr spüren und mit Blutgeschmack im Mund. Zum Seminar komme ich dann 10 Minuten zu spät.
..
Am nächsten Morgen stehe ich mit gesenktem Blick und Muskelkater am Fahrstuhl. Und Treppensteigen soll ganz schlecht für die Gelenke sein, hab ich ja gehört.

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13 Gedanken zu “Auch in den Beinen

  1. Ge-nau!!!! Das Kribbeln im linken Arm hast Du übrigens vergessen. Alleine die Unfallgefahr bei solchen Treppen! Im Fahrstuhl kann einem das „Frisch gebohnert“-Schild noch einigermaßen schnuppe sein. Außerdem wirkt es nicht sehr souverän, mit Schnappatmung und kriechend im Seminar aufzutauchen.

    Und schließlich noch der soziale Aspekt: Auf der Treppe ein Aneinandervorbeihasten, im Lift jedoch schwungvolle Kommunikation.

    Du machst das schon richtig…

  2. Und überhaupt ist das gar nichts für den Kreislauf! So morgens schon Extremsport! Man muss es langsam angehen lassen. Der Sauerstoffmangel im Fahrstuhl und das lange Stehen davor sind ein guter Anfang. So eine Treppe lässt es einen gleich übertreiben.

  3. Ach schön, dass es doch noch ein anderes Ende nahm. Ich wollte am Anfang nämlich schon schreiben, du wärst garstig, nur weil du so durchtrainiert bist und dich über die faulen, schwabbeligen Mitstudenten lustig machst.
    Dafür, dass du so normal bist, knuffe ich dir aber freundschaftlich in die Seite. ^^

  4. Bei uns darf man den Fahrstuhl nur benutzen, wenn man Gehhilfen hat. Frechheit. Das ist aber auch ein kleines wackeliges Ding.

    Und noch schlimmer wird Treppensteigen mit einer Raucherlunge *seufz*

  5. *lach* da waren die gezwungener Maßen den Körper auf Minimum fit haltenden Treppenstufen in der Schule ja gar nicht mal so schlecht, die man zwischen jeder pause hoch und runtergehetzt ist und sich dabei fast das Genick gebrochen hat^^.
    Neues Sportprogramm: Treppenlaufen (für den Knackpo), jeden Tag eine Stufe mehr^^.
    [mal sehen wie lange es dauert, bis ich sone ähnliche Uni-Treppen-Geschichte erzählen kann] :)

  6. platz eins für puppes argument-wer will DEN nicht!
    also lift ognorieren+waden,kondi+wasauchimmer trainieren, schließlich seid ihr JUNG!! wie kann man da schon bei sowas keuchen???

    übrigens tolles foto

  7. bei uns gibt es gar keinen fahrstuhl. wenn wir dann immer in den driten stock laufen müssen, der der gefühlte vierte ist, weil die stufen extrem hoch sind, dann spürt man auch jedes mal die oberschenkel. verdammte dinger!

  8. Sollte ich eigentlich beleidigt sein, dass mir den Artikel alle so ehrlich glauben?^^

    lord: genau. soziale Kompetenz schulen.

    Anj: ohja, und es hat ja auch fast was von Küssen, wenn man die ausgeatmete Luft der anderen wieder einatmet usw. :-) Toll, was man mit Fahrstuhlfahren alles erlebt^^

    kassio: als ob ich sowas ernsthaft schreiben würde. Wie gemein.

    Tomi: als ob Du jemals wegen ein paar Stufen außer Atem geraten würdest. Das ändert sich dann auch nicht in der Uni, Kleiner^^

    paula: das geht total einfach mit dem keuchen. Mund auf und…;-)

    tina: na dann kriegst du ja vielleicht Bauchmuskelkater. Immerhin auch etwas.

  9. ha, ich darf jeden abend nach hause in den fünften stock. ich dachte irgendwann wird’s mal besser – weit gefehlt, dazu müsste ich das programm wahrscheinlich 5 mal am tag absolvieren… unter der woche komme ich zum glück nicht in diese verlegenheit, am wochenende schon eher. ätzend! schlimmer war nur noch der umzug…

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