sofareiten

Ein Stückchen Kanada liegt auf meinem Bett. Genauer gesagt, ein sehr lebendiges, witziges und herrlich englisch quasselndes 19jähriges Mädchen, das die Nacht dort verbringt.

Vor ein paar Tagen habe ich mich endlich bei couchsurfing.com angemeldet. Dort verabredet man sich genau dazu: zum auf dem Boden schlafen, neben dem Bett auf einer Isomatte liegen, das Sofa reiten – eben couchsurfing.
Menschen, die unterwegs sind, finden so für eine oder mehrere Nächte jemanden, der sie bei sich schlafen lässt und vielleicht ein Frühstück macht. Man selbst findet Menschen, die einem ein bisschen Englisch, Französisch oder Chinesisch ins Ohr reden und die Staubschicht vom Mund wischen, die da schon seit einiger Zeit über den nichtdeutschen Wörtern liegt.

Tolle Idee. Und es klappt auch noch. Ein paar mails hin und hergeschickt und schon hat das Zimmer Gesellschaft. Heute schläft da eben die Kanadierin mit den lustigen Haaren. Die so laut lacht, und die das scharfe asiatische Essen überhaupt nicht scharf findet und die meinen flachen Mohnkuchen mag, obwohl da zu wenig Zucker dran ist. Sie surft schon seit zwei Monaten und hat so einiges zu erzählen, zwischen den Nudelgerichtbissen. Wie sie ihre Schuhe in Amsterdam gelassen hat und bei D. in Belgien ihr Herz. Und ich kann mich freuen, ihr dabei zuzuhören und genießen, wie sich ein bisschen Weltduft in meine Fingerspitzen kriecht.

Der Abend ist entspannt und nett und das winzige Feuer am Nebentisch (nein. die papierne Kerzenummantelung ist keine so gute Idee, liebe Restaurantbetreiber) lässt uns sogar eine near-death-Erfahrung teilen, die wir frisch und fruchtig überlebt haben.
Morgen reist sie weiter zu einer Couch in Potsdam und meine darf dann das Ohr eines Studenten aus Singapur streicheln.
In der Küche steht ihre Dosenerbsensuppe, die sie sich heute gekauft hat – mit Flip Flops durch den Regen zum Supermarkt spazierend. Sie wusste nicht, was drin sei in der Dose und hat mich gefragt, welche Suppe das ist. Was Erbse auf englisch heißt, haben wir dann herausgefunden, indem ich ihr von dem Märchen mit der Prinzessin erzähle.

Während sie auf meinem Bett liegt und liest, packe ich ihr leise die letzen zwei Kuchenstücke ein und lege sie neben die Dose, für unterwegs. Und Erbse heißt pea.

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16 Gedanken zu “sofareiten

  1. Ui…das klingt spannend. Hab auch schon mal davon gehört und finde es eine dufte Idee. Toll, dass du da mitmachst. Könnte Dir auch eine Couch anbieten, falls du selbst mal auf einer fremden Couch schlafen will. ;) Allerdings nur in deiner eigenen Stadt. *g*

  2. Das klingt ja richtig toll und faszinierend und überhaupt! Klasse! Und englischquatschende Menschen hat man ja eh gern um sich. Schöne Idee. ^^

    Ist das nicht aber ein wenig komisch, wenn fremde Menschen einem da ins Bett pupsen und ihre Stinkigen Socken über die Lehne legen? :D

  3. puppe: da ist nett:-) und jeder bezirk ist ja auch quasi ein neues Land, das es zu entdecken gilt^^

    kassi: nee, die kriegen ja alle ein neues Laken, da können sie reinschwitzen, oder -sabbern, soviel sie wollen…^^
    und wegen der schönen Menschen: tstststs;-)…so darfst du da natürlich nicht rangehen ..(aber du kannst dir immerhin die profile vorher anschauen, wo auch fotos drin sind…aber das sollte natürlich kein Kriterium sein…eher so, ob sie auch lange wach bleiben, oder gerne nackt deine wohnung putzen möchten als dankeschön oder so;-) )

    kassio&puppe: und meldet euch doch auch da an, das macht echt spaß, man kann sich aussuchen, wie „offen“ man mit seiner couch sein will „definitely!“, „yes“ „maybe“ oder auch „coffe or a drink“ oder „no“, was man wiederum ständig ändern kann und überhaupt eben, dann können wir alle tolle bloggeschichtchen drüber schreiben:-)
    (und wieder englisch lernen)
    lasst uns host-buddys werden^^

  4. Ach, hätte es das mal zu meiner Sturm-und-Drang-Phase gegeben…bei mir hatte es immerhin zu zweimal Mitwohnzentrale in Berlin gereicht inkl. mehreren Übernachtungen auf einem Kreuzberger Wasserbett.

    Auf was ich aber eigentlich hinauswollte: Seit ich blogge, bin ich agiler geworden, was meine Unternehmungen oder Beobachtungen betrifft, weil in meinem Kopf sehr oft eine Checkliste durchläuft, inwieweit das Erlebte/Gesehene/Gehörte zum Bloggen taugt.

    Es ist wohl (noch) nicht so, dass ich Dinge nur ihres Bloggehalts wegen tue, aber dieser Aspekt spielt seitdem durchaus eine Rolle. Kennst Du bzw. kennt ihr da draußen das auch?

  5. @lordfoltermord: Klar kenne ich auch. Ich hab das bloggen u.a. angefangen, weil ich mich manchmal kaum noch an die letzte Woche erinnern kann. Klar geht es darum, den alltäglichen Kleinigkeiten mehr Bedeutung zu geben, wieder den Blick (auch für sich selbst) zu öffen. Deswegen auch mein Blogname wicht ich ;-).

    @anika: hast Du auch den Artikel übers couchsurfing in der „zeit“ gelesen?

  6. lord: hm, nee,etwas zu tun, um darüber zu bloggen mache ich glaube ich nie.
    Ich denke aber durchaus darüber nach, ob ich diese und jene Erfahrung in einen Artikel verwandeln könnte…aber meistens drängt es mich einfach, das aufzuschreiben, was mir gerade am herzen liegt und dadurch kriegt das sowieso eine hoche Aktualität hier.

    wichtich: nee, habe ich nicht. was stand denn da drin? was positives?

  7. @anika: ne, eher was Negatives, da gabs einen, der nicht nur Couches surfte, sondern auch Geldbörsen: http://www.zeit.de/2007/25/Couch
    Fazit: Man sollte nicht zu vertrauensselig sein. Die meisten machen nur positive Erfahrungen mit den Couchsurfern und hören dann irgendwann auf, die Sicherheitssysteme zu benutzen, die es aber wohl geben soll. Genau kenn ich mich ned aus. Ich würde sowas trotzdem machen, man weiss ja worauf man achten muss und kann das den Leuten auch erklären.

  8. @anika: Der Link stimmt nicht, dass ist auch ein Artikel der Zeit, aber der falsche. Die Story war auch neuer. Finde ich jetzt nicht mehr. Habe ich in einer Printausgabe diesen Jahres gelesen, ist vielleicht noch nicht online?

  9. Da wollte ich mich auch mal anmelden, aber angesichts der tatsache, dass ich nur eine 1-Zimmer Wohnung habe, in der ich selber die Schlafcouch benutzen muss und ich zu dem noch ein ausgesprochen unordentlicher Mensch bin, habe ich es dann leider doch sein lassen müssen ^^ Aber toll, dass du da mit mischst!

  10. kiwi: ja, allerdings…^^

    wichtich: aber der Artikel, den Du verlinkt hast, der ist zumindest ein sehr positiver übers couchsurfing. so, wie ich es auch erwarten würde. klingt einfach toll und ist es anscheinend auch…

    mandy: ich würde mich trotzdem anmelden, denn du kannst dort auch einfach „a coffe or a drink“ angeben und tollen Leuten Deine Stadt zeigen, oder deine lieblingsbar. Und wenn Du nichts gegen jemanden hast, der neben dir auf dem FLur schläft, kannst du das ruhig als schlafmöglichkeit angeben. denn einige menschen schlafen auch schonmal draußen, wenn sie keine couch kriegen und ich glaube, da ist ein Boden immer noch besser, als nichts:-)

    dieTauschlade. ja, definitiv ein Link, den man sich merken sollte (auch wenn die website etwas ungelenk aussieht…was sich dort abspielt, ist einfach toll) und viielen dank für das Kompliment:-)

  11. Wirklich eine tolle Sache, sollte ich mir unbedingt vormerken, falls ich mal später eine eigene Wohnung habe^^. Oder wenn ich eine wie im link beschriebene Weltreise machen will…durch sowas rückt das in fast greifbare nähe (oder zumindest eine halbe Weltreise^^)

  12. Ui, das klingt total toll und schön, dass die Kanadierin nicht nur irgendwer war, der auf deiner „Couch“ geschlafen hat, sondern dass ihr euch auch so gut verstanden habt (so gut, dass sie Mohnkuchen gekriegt hat! ^^). Da überleg ich mir doch fast, ob ich mich da auch anmelde…

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