goldpapier

Das Sonnenmorgenlicht hält sich ein paar Wolkenfetzen vor die müden Augen. Zwei gähnen vor dem Café – nebeneinander auf den Biertischbänken, von denen die rote Farbe schon blättert. Ein paar Nebeltropfen rinnen die langsam rostenden Tischbeine hinab. Die zwei sitzen mit übereinander geschlagenen Beinen, die Hände dazwischen. Auf dem Tisch liegt goldrot glänzendes Weihnachtsmannpapier, darauf angebrochene Schokoladenstückchen. Frühstück.

Eine Katze wurde wiedergefunden. Rot, steht auf dem Zettel und sie könne abgeholt werden. Ein Zettel handgeschrieben und grau. Goldpapier. Und irgendwo steht der Vermissende auf und weiß nicht, dass heute sein Glückstag ist.

Ein Kind mit Kapuze läuft auf seinem Holz-Fahrrad, das noch keine Pedale hat. Das Lieblingscafé hat noch zu. Frühstück ab elf steht im Fenster. Eine grauhaarige Dame greift ihren Einkaufsbeutel fester und geht durch die Kaufhallentür, die immer etwas länger braucht, um zu öffen.

Zwei Strumpfhosen sind gerade richtig jetzt. Die Kälte schafft es nicht, hindurchzuatmen. Stattdessen rubbelt sie die Wangen rot. Die Ohren verstecken sich hinter den Haaren und nur die Hände frieren, sosehr man sie auch in den Pullover wickelt. Die Handschuhe. Natürlich, die liegen im Schrank. Die aus Peru, mit den bunt-gestrickten Fingern. Zwei Tüten müssen die klammen Hände tragen. Zwei Tüten mit warmen Brötchen, einer neuen Schnittlauchpflanze und Obst. Zuhause beginnt die Arbeit mit Musik. Und den kalten Fingern haucht der Ofen wieder Leben ein. Manchmal ist es gar nicht so schlecht, für nettes Brot so früh aufstehen zu müssen.

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twitter.com/spreeschnitte

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7 Gedanken zu “goldpapier

  1. Ui, sowas erlebt man also, wenn man mal früh aus dem Haus geht. Und da futtern schon welche Weihnachtsmänner? Darf mand as jetzt schon?

    Ach Anibärchen, wenn du deine Handschuhe vergessen hast, darfst du deine Fingerchen eigentlich nicht noch mehr quälen und sie dann einfach in den Ofen stecken… Das is zwar warm, aber naja, nich gut. Die können davon kaputt gehen. Zeig mal her.

    Oh ja, die Kaufhallentür ist mir bekannt. Da möchte man immer gern gegenrennen, schafft es aber noch, sich im letzten Moment zu bremsen und dann suefzend „21, 22…“ zu zählen, bis die Tür sich öffnet.

    Ich mag übrigens den Ausdruck „die Kälte atmet hindurch“ am lieblingsliebsten :-)

  2. Ach, ich bin ja ein alter Skeptiker und unterstelle oft das Schlechte im Menschen, deshalb hoffe ich ja stark, dass Du mir gelegentlich mitteilst, dass die Sache mit dem hingestellten Sparschwein wirklich einigermaßen gut funktioniert und nicht ein paar Oberwitzbolde glauben, 10 Cent reichen vollkommen für deine kleinen Kunstwerke und Gaumenstreichler.

    Im übrigen verabreiche ich Dir schon mal eine virtuelle Tapferkeitsmedaille für fortgesetztes, geradezu mutwilliges und zudem noch hochmotiviertes Frühaufstehen. Chapeau!!!

  3. Deine Worte kitzeln, wenn man sie liest – das ist schön :-))
    Alltäglichkeiten können bezaubernd wirken, man muss nur genau genug hinschauen.
    Genieß die Schokolade in dem besonderen Goldpapier, die schmeckt immer ein wenig anders als normale Schokolade… :-))

    Lieben Gruß :-))

  4. anj: die frage ist auch vielleicht, ob man das mit den weihnachtsmännern immer noch darf. statt schon wieder^^ (hab wirklich überlegt, ob das einer von noch vorigem jahr ist:-)

    lord: dankeschön für die medaille. ich such schon einen schönen platz für sie^^ und die sache mit dem geld: es ist ja nicht auf spendenbasis von wegen „zahl, was du willst“. es gibt schon preise und alles. dann kann nur passieren, dass jemand das mal vergisst. dummerweise ist das schon einmal mehreren gleichzeitig passiert. dann gabs so lange keine schnittchen, bis alles wieder da war. hunger ist super als druckmittel:-)

    magnolia: ja, kitzeln ist toll. ich liebe das. dankeschön…:-)

    dietauschlade: ich glaube, so ganz freiwillig würde ich warhscheinlich nicht so früh aufstehen. aber eigentlich sollte man mal. es ist wirklich mal was ganz anderes, als die mittagssonne^^

    donmatze: ui, danke für dieses Lob. Ich werd schon ganz rot…

    alex: (schmäuse ist grammatisch total korrekt. ich mag aber schmausis am liebsten^^)
    vielleicht sollte ich anfangen, zu jedem brotchen so kleine infozettel zu verteilen: harte handarbeit mit frühaufstehensbonus, viel guter wille und ein bisschen pech, weil ich die feige natürlich wieder vergessen habe zu kaufen und doppelt zur kaufhalle rennen durfte…ob’s dann besser schmeckt?:-)

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