erster stock links: flurgeheimnis

Ganz geheimnisvoll fühlt man sich so mit einem frisch gekauftem Geschenk im Rucksack.
Peinlich darauf bedacht, sich nichts anmerken zu lassen.
Als ich nach Hause komme husche ich wie ertappt gleich ins Zimmer und will fast abschließen um das Geschenk ins geheime – recht unintelligente – Geschenkversteckversteck zu stecken. Bevor die beste Mitbewohnerin der Welt ins Zimmer platzt, um zu quieken, dass die T. gerade eine SMS von J. bekommen hat oder dass sie nicht weiß, wie sie Hs Aussage deuten soll, oder einfach nur so. Geschafft. Das Geschenk ist sicher. Und ich sause zu Anj und Laptop ins Zimmer und erzähle von meinem Sekundenschlaf in der Vorlesung.

Am Abend hab die Wohnung mich für sich allein und sitze am Boden. Meine Ohren kleben am Hörspiel, an meinen Händen bunt glitzerndes Sternchen-Klebeband ich inmitten raschelndem Packpapier. Und irgendwo die Schere, die man immer erst dann wiederfindet, nachdem man das Obstmesser aus der Küche geholt hat.

In der Nacht schleiche ich mich aus dem Bett tapse zu den Schuhen.
Das verzierglitzerte Geschenk wandert in aller Heimlichkeit in die schwarzen Winter-Schnür-Luftpolstersohlen-Stiefel und sieht ganz verlockend aus. Im Schein des Zimmerlichts, das durch den Türspalt um die Ecke lugt. Schnell wieder rein ins Zimmer, leise kichernd ins Bett geschlüpft. Licht aus. Und an früher denken, wie ich in dieser Nacht immer aufgewacht bin, und leise die Treppe hinunter zu den Schuhen geschlichen . Nur um kurz zu gucken. Um dann mit Eisfüßen wieder hochzurennen und unter die Bettdecke zu krabbeln. Beruhigt und mit einem Lächeln.

Am nächsten Morgen wird der Gang zum Bad von einem Juchzen begleitet. Gold-bunte Geschenke lugen aus meinen Schuhen und das mit dem Sternchenklebeband ist verschwunden. Das Grinsen von früher ist wieder zurück und lässt sich aus meinem Gesicht jetzt erstmal nicht mehr vertreiben. Blitzschnell schnappe ich mir meine verheißungsvollen Päckchen, renne damit ins Zimmer und erinnere mich selbst an meinen ersten Teddyhamster. Stolz reihe ich meine Beute aufs Bett und gucke nur. Toll, so ein Dezember. Und dabei hab ich mir gar nicht die Schuhe geputzt.

Es ist Nikolaus.

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> vom Zimmer gegenüber: Flurspaziergang
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in der kolumne erster stock links schreiben ani und anj alle zwei wochen aus verschiedenen zimmern.
außer heute immer montags.

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12 Gedanken zu “erster stock links: flurgeheimnis

  1. Ich habe mich immer gefragt wann meine Eltern den Kram in dei Schuhe packen…für mich war das eine außerirdisch späte Zeit. Und kaum vorzustellen dass man mitten in der Nacht noch irgendwelche Sachen in Schuhe packt ^^

  2. alex: jetzt nicht mehr. hab ich abgestellt…ich muss ja schließlich zu meinem statement („„matsch“) stehen.

    rumpelwald: auf die idee kommt man schonmal, wenn zwei Bloggerinnen in einer WG wohnen :-) außerdem ist sie gar nicht so einzigartig. in der neon gibt es sowas auch…:-)

    schaps: das waren doch nicht deine eltern, mensch. das war der nikolaus. und der ist sowieso nachtaktiv..^^

    dietauschlade: dankeschön. und wenn man dann im nächsten jahr wieder anfängt, tatsächlich die schuhe zu putzen, wird es noch heimeliger :-)

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