wortmonster

fuesse
Wie klebrige Kinderhände zerren sie an meinen Haaren. Verjagen indianerheulend die Müdigkeit und rauben mir den Schlaf aus den Augen.

Die Worte kommen wie kleine Nachtmonster aus der Luft und fallen neben mich. Purzelbäume auf dem Laken. Sie krabbeln mir über die Hände, bevölkern mein Herz und schwirren um meinen Kopf. Sie stolpern über meine schlafbesockten Füße und kitzeln mich zwischen den Zehen.

Ich versuche schlaftrunken, sie an den Ohren zu ziehen und in eine Reihe zu stellen. Ihnen eine Geschichte zu bauen und sie in ein Schlaflied zu schicken. Aber sie lassen sich nicht einfangen und wuseln aufgeregt durcheinander, über die leeren Zeilen.

Die einen flüstern von Erdbeerfeldern, die anderen von Abendteuern. Zart, fast durchsichtig schweben drei in der Luft und hinterlassen einen Hauch Wärme an den Ohren. Aber die nächsten sind schon dabei, mir mit eiskalten Fingern den Rücken hinabzurutschen. Mir den Atem zu stocken. Während von weiter her eine lärmede Wortgruppe sich einen Spaß daraus macht, mir dumme Sprüche hinter die Ohren zu schreiben.

Kleine Monster, die rücksichtslos auf meinem Kopf herumtrampeln und mir Ringe unter die Augen. Nachts. Natürlich. Dass am nächsten Morgen der Tag beginnt, könnte ihnen nicht unwichtiger sein. Den Schlaf haben sie geteert und gefedert an den Bettpfosten gehangen.

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8 Gedanken zu “wortmonster

  1. schöhön! …die worte an den ohren ziehen und in eine reihe stellen-toll!
    so geht’s mir mit bildsequenzen, bevor sie „stehen“ und ich sie „abzählen“ kann, wuseln schon wieder andere dazwischen
    Ach ja, kann nicht mal einer vom verlag hier reinstolpern? hallo,haaallllooo!

  2. Och, was für niedliche Füßis!!! :-)

    Seeeehr sehr schön geschrieben, ich beteilige mich an Paulas „haaaaaaaallo!“ ;-) Meine Lieblingsphrase (die darf ich mir doch immer aus deinen Texten aussuchen, stimmts?): „schlafbesockte Füße“

  3. Das erinnert mich an Krümel das Katzenbaby für das ich vor vielen Jahren die Ersatzmami gespielt habe. Zu jeder Nachtzeit.

    „Dass am nächsten Morgen der Tag beginnt, könnte ihnen nicht unwichtiger sein. Den Schlaf haben sie geteert und gefedert an den Bettpfosten gehangen.“

    Der war soooooooooooooo süss.

  4. Ja, da merkt man, wer des öfteren zum „Wortopfer“ wird. Wieder mal außerordentlich geschrieben!
    Und auch wenn’s (erst zunächst) fies klingt: Die Racker sollen dich besser mal nicht so schnell in Ruhe lassen. Damit’s mehr solcher Texte gibt :)

  5. ja, also so ein verlagsmensch könnte wirklich gern mal vorbeischauen. da wink ich mit
    und danke für die schöns.

    anj: klar kannst du dir was raussuchen. du doch immer ^^

    ricchard: nur, dass mich unbedingt immer die nachtaktiven erwischen müssen, ist ein bisschen gemein..

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