schneeschnupfen

tschechien

Eine Festung aus Zellstoff schlängelt sich am Rand meiner Matratze. Gefühlt hundert Taschentücher haben meine Nase aufgerieben und nun einen wunden Punkt in meinem Gesicht hinterlassen. Rudolphinchen. Wenn ich den Kopf etwas hebe, kann ich durch die Fenster sehen. Tschechischer Tiefschnee liegt auf der Veranda.

Marshmallowschnee, in den man leise einsinkt, wenn man rauskönnte und nicht ans Ferienbett neben den Ofen in der Wohnzimmerküche gefesselt wäre. Wenn nicht der Husten einem in die Lungenflügel greifen und so richtig dran ziehen und rütteln würde. Dafür kann ich im Bett dann Fotos von meinem Spiegelbild in der Rotlichtlampe machen, von den Deckenbalken und vom fancy Flachbildfernseher mit 200 Programmen, der gleich neben der Reibe aus Uromas Zeiten hängt.

Ich habe drei Seiten vol von Aussprache, Grußformeln, Wegfragewendungen und Ja-Nein-Danke-Konversationsstoff mitgebracht. Dobrý den über die Lippen zu bringen, konnte ich immerhin auch den ganzen ersten Tag lang üben. Bis zur Snowboardstunde. Nach der bin ich glücklich aber mit Fieber ins Bett gefallen und hab mein Immunsystem auf dem Übungsberg im Schnee verloren.

Die restliche TschechienZeit gab es ans Bett gebracht und mit dem Blick durchs noch weihnachtlich verzierte Fenster. Auf die glitzernden Eiszapfen, den Schneemann mit dem breiten Mund und die zusammengeklappten Holzstühle. Die Zwischenzeit vertreibt mir der innerliche Kampf Hunger gegen Aufstehensunwillen und die Fähigeit, die letzten Taschentücher aus ihren Schlupfwinkeln zu locken.
Und als ich dann am letzten Tag nach einer halben Stunde Zurückfahren der Putzfrau gegenüberstehe und sie mir meinen iPod entgegenhält, kann ich immerhin nochmal die Aussprache eines vollends erleichterten děkují üben. Wer sagts denn.

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9 Gedanken zu “schneeschnupfen

  1. snowboarden im winterurlaub (oder auch ski) kann jeder, aber sein Spiegelbild in der Rotlichtlampe fotografieren und dafür extra nach Tschechien düsen + die Sprache lernen-
    wer kann das schon von sich behaupten??
    :-)
    na sdorowje
    oder so ähnlich (auf die Gesundheit)

  2. Ja, ganz tolles Foto. Schöne Farben!!!

    Ich stimme Paula zu: du hattest einen richtig extraverganten Snowboardurlaub, bei dem immerhin dieses schöne Foto (und sicherlich nicht nur das) zustande kam. Hättest du das machen können, wenn du dir draußen im Schnee die Händchen gebrochen hättest? Nö!

  3. ja, das foto ist mein liebling. allerdings leider nicht ganz direkt der blick aus dem fenster. dafür musste man dann doch schon ums haus rum gehen…

    paula: stimmt schon. sprachkurs deluxe. allerdings ohne viel live-übungen. mehr so vorsichhinmurmeln im bett:-)

    anj: danke, du:-) die hände hätte ich mir allerdings nicht brechen können. ich hatte übergroße stützhandschuhe an. aber die arme schon. wär auch nicht so schön^^

  4. kassio: ach, du wieder ;-)
    (niest man danach echt?)

    alex: ach, dann mache ich einfach ständig fotos mit schräg über meinem kopf gehaltener kamera. ich mit schnee im gesicht, ich mit geweiteten augen, ich mit schrägem grinsen…^^

  5. Weißt du was ich als ERSTES dachte als ich das Foto sah?
    Oder andersherum gesagt, was ich ganz laut SAGTE als ich es mit den Augen berührte?
    BULLERBÜ!!!!!!
    Das Foto erzählt von dem was schön war in der Kindheit, es erzählt NUR schönes!
    Ein Traum!
    *neue Taschentücher und Tee hinstell*
    Liebe Grüße dalass
    der Rumpel

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