um frische luft hineinzulassen


manchmal geht es einfach zu tief,
sodass beim weggehen rote striemen sichtbar werden, die tief ins fleisch geschnitten haben. so richtig hast du das nicht mitgekriegt, wie sich die äste des baumes vor deinem zimmer immer weiter um dich geschlungen haben. wie sie sich mit ihrer scharfen rinde in deine haut gerieben haben. weh tat es nicht. nur manchmal hat es an den ästen geziept, wenn ein paar vögel sich ein nest gebaut haben im baum. die kleinen risse sind immer verheilt. bis.
bis du dich bewegt hast und die äste wie seile zurückgerissen wurden und dabei deine haut aufreißt, weil die rinde so hart ist und deine haut so dünn. so roh.
jetzt stehst du da, gekrümmt. und guckst dir mit dem blick über die schulter die spuren an und schüttelsts dich. du fandest es eigentlich immer schön. wie die blätter deinen nacken gekitzelt haben, dir geschichten in die ohren geraschelt. schön, noch ein bisschen mehr um dich herum zu haben. umarmt und eingewickelt.

aber dann zuckst du nach monaten noch zusammen, weil wenn du im meer schwimmst, du deine wunden immer noch spürst. das salz. aber du könntest niemals aufhören, im meer zu schwimmen, weil das meer zu dir gehört. du bist das meer.

du wolltest die salzige luft hineinlassen in dein zimmer und hast die fenster immer weit geöffnet.
die äste, die so vorsichtig und leise hindurchgewachsen sind, hast du deswegen abbrechen müssen. weg von dir, von deinen schultern. und hast ihnen mit traurigen augen hinterhergeschaut. wie sie da so lagen auf der straße,  der baum jetzt mit kürzeren fingern.

aber dann hast du dein fenster zugemacht. verriegelt und dich in die weichen wiesen gelegt, die immer auf dich warten, die da sind. schon dein halbes leben lang. die kühl deine haut berühren, die wissen, wo es gut tut und die mit ihrem gras die striemen verdecken.
und manchmal denkst du zurück an deinen bunten kokon und wie schön es war. und dann fühlst du das meer plötzlich in deinen augen. und dann rennst du zum fenster und ziehst die vorhänge zu. ein bisschen dunkler ist es dann in deinem zimmer.

aber manchmal tut es einfach zu weh. manchmal muss man das fenster wieder zumachen, das man einmal geöffnet hat.
denn manchmal geht es einfach zu tief.

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3 Gedanken zu “um frische luft hineinzulassen

  1. Warum bloß passt es grade so sehr zu dem, worüber ich nachdenke…?! Mir gefallen die Bilder – das macht das Problem so greifbar, spürbar. Danke dir!!

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