
Wann haben Sie Ihrem Freund das letzte Mal Blumen geschenkt?
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Wann haben Sie Ihrem Freund das letzte Mal Blumen geschenkt?
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durch das fenster sah man kasimir und maroo schlafend
auf den küchendielen liegen.
die hände noch sanft auf dem dicken bauch des anderen.
streichelnd eingeschlafen.
um sie herum, schimmernd im mondlicht wie hundert gerissene perlenketten
lagen süßkirschkerne.
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Im Dunkeln wurde es interessant. Wer nicht zufällig seine Taschenlampe in die Gürteltasche gestopft hat, musste von Bühne zum Zelt noch versuchen, ein höllisch gefährliches ZeltSchnurlabyrinth hinter sich zu bringen – mit möglichst unbeschadeter Nase. Fast unschaffbar, wenn Zelt an Zelt an Zelt an Zelt steht und man den Nachbarinnen eine gute Nacht wünschen kann, indem man die Hand aus dem Zelteingang streckt.
Endlich im Zelt angekommen heißt allerdings noch lange nicht endlich im Schlafsack drin. Bis dahin vergehen noch gefühlte Stunden mit Verrenkungen, ans Zelt stoßen, die Schräge hinabkullern und die zweite Kontaktlinse einfach nicht mehr finden. Irgendwann aber ist man dann doch drin und merkt, was es heißt, im Schallbereich der Bühne zu zelten.
Mit knautschigen Knien, dem Rücken einer 77jährigen, komisch halbtauben Ohren und kältegefrorenen Zehen liegt man da und versucht es sich auf dem Klangteppich irgendwie gemütlich zu machen. Immer mal wieder tönt es “Helga” durch die Nacht. Doch meine Hand greift nicht zu den extra schaumweichen, hyperanpassungsfähigen und ausrollbaren Ohrtöpseln, die eine verkaufstüchtige Apothekerin an mich losgeworden ist. Denn obwohl ich einen Ruf als lärmempfindliche Schläferin habe, säuselt mich das Wummern und Musiken der Party wie zehn süße Spielzeugmelodien in den Schlaf. Nichts stört mich. Ich träume sogar gut. Dass ich am nächsten Tag trotz Rückenschmerzen und leichter Übelkeit mit einem Grinsen im Bauch mir am eiskalten Wassertrog die Zähne putze, und in Erinnerung noch zum Jeans Team tanze, kann nur eines bedeuten: Mein erstes Mal immergut hat es mir angetan. Ich bin total verknallt.
Und würde es jederzeit wieder tun.








Ohropax muss ich kaufen, Mückenspray darf ich nicht vergessen und erst recht nicht Sonnencreme und die Polaroidkamera. Den ganzen Tag laufe ich immer wieder ein paar Minuten mit der Lippe zwischen den Zähnen durch mein Zimmer und murmele vor mich hin. In drei Tagen heißt es für mich das allererste Mal: Festival. Das erste Mal Musik zum Aufwachen, Einschlafen und Mithüpfen.
Gummistiefel? Badesachen.
In meiner ach-so-aufregenden Frühjugend hatte ich Festivals bisher ausgeklammert. In schweißigen betrunkenen Menschenmassen verloren gehen, in der prallen Sonne die Bands nicht sehen und nachts nicht schlafen zu können als der Horrortraum schelchthin.
Einen Campingkocher borgen. Und Geschirr!
Aber man wird ja erwachsen. Und man erinnert sich an die Erfindung der Ohropax und dass es auch klein und schnuckelig geht. Eben ein Kuschelfestival für AnfängerInnen. Bei dem man mal schauen kann, wie man sich so macht als cooles Festivalkid und so tun, als ob man dazugehört.
Kekse, Wäscheklammern, Kuschelkissen.
Bis Freitag wird man mich in Gedanken versunken auf der Straße Leuteanrempeln sehen, in der Kaufhalle allerlei ungesundes Dosenfutter kaufend, Wasserflaschen in der Hand wiegend und bei H&M Sonnenhüte ausprobierend.
Pflaster, Spaghetti und Pesto.
Den Nachbarn vom Haus gegenüber biete ich ab 24 Stunden vorher einen besonders schönen Anblick: Ein Mädchen mit uraltem Campingrucksack, der so gar nicht zu ihr passt vorm Spiegel stehend. Inmitten ein- und wieder ausgepackter Sachen.
Mit nervösen Haarsträhnen hinter den Ohren und zwischen ihnen etwas versteckt ein breites Grinsen.
Wie vor jedem ersten Mal.

das schöne an einem eigenen blog ist ja, dass man machen kann, was man will. ohne rechtfertigung. und auch einfach mal den sinn los werden. ein foto posten, ohne hintergrundgeschichte, ohne hintergedanken, ohne schräges gedicht, ohne erbauende zeilen, ohne texte über naturschutz und tierparkbedingungen ohne erklärende lachgeschichte oder schlauen kommentar.
einfach, weil es niedlich ist. und weil man in die welt schreien will: so einen will ich auch. genau so einen. und ihn dann den ganzen tag herumtragen und leckerli in die hand geben und über den kopf streichen und nase an nase kuscheln.

Als er an sich hinunter blickte, war er erstaunt, keine Löcher zu finden. Die letzten Wochen fühlte sie sich, als ob sich ihr jeder Punkt seiner Liste langsam in die Haut brannte und dort anfing, sich mit den fauligen Erinnerungsflecken zu vermischen. Jeden Tag wurde es ein hässlicher Fleck mehr und die bestehenden wurden dunkler. Irgendwann fühlte er sich so erdrückt, dass er es kaum noch mehr vor die Haustür schaffte. Im Kopf schwirrten all die Unerledigkeiten umeinanderkreisend herum wie wütende Hornissen und verknäuelten sich immer fester mit der Verlustangst. Er bekam Kopfschmerzen auf der linken Seite. Dumpf und pochend und sie versuchte, den Aufgabenkloß hinunterzuschlucken, doch er blieb ihr im Hals stecken.
Bei ihrem letzten Versuch, den Kopf frei zu kriegen mit einem Spaziergang war sie nicht weiter als bis zur Haustür gekommen und hatte sich auf den Vorsprung gesetzt. Den Kopf an die Hauswand gelehnt bildete er ein überraschendes Hindernis für alle, die rein oder raus wollten. Fast alle stolperten erschreckt.
Nur seine Nachbarin, die ältere Frau mit dem gutmütigen Gang schien einfach zu langsam für einen erschreckten Hüpfer. So sagte sie nur Na na mein Mädchen, und machte eine Handbewegung, als ob sie ihm über den Kopf streicheln wollte. Dann aber stieg sie wankend die Treppe hinab, den linken Arm ausgestreckt, um im Falle an der Hauswand Halt zu finden. Er sah ihr nach, wie sie ihren Einkaufsbeutel an sich gepresst um die Ecke bog. Vor wenigen Wochen noch war ihren schlurfenden Schritten ein kleiner Pudel gefolgt, immer ein bisschen langsamer.
Er seufzte und ließ den Kopf in die Hände sinken und vertiefte sich in die Gerüche der Straße. Auch, als sich der Himmel zuzog, blieb er sitzen und saß einfach da, als es anfing, zu regnen. Es gefiel ihr sogar ein bisschen, nasse Wangen zu bekommen, als ob sie endlich geweint hätte. Aber da waren keine Tränen, nie – versiegt nach ihrem fünften Geburtstag. Nasse Füße, als wäre sie beherzt in eine Pfütze gesprungen. Nasse Hände, wie wenn sie ganz in die Badewanne eintauchte. Der Regen ging ihr an die Nieren, ans Herz und erreichte schließlich seinen Kopf. Wie betäubt beobachtete er die tropfenden Strähnen vor seinen Augen und die Muster auf ihrer Hose.
Als der Regen aufhörte stand das Mädchen, das den ganzen Tag fast reglos auf der Steinstufe gesessen hatte auf und lief los. Schießlich bog sie um die Ecke und das Mädchen am Fenster konnte sie nicht mehr sehen. Sie fragte sich, wohin er gehen und sich wieder setzen würde. Woran sie ihren Kopf wieder lehnen und die Füße aufstellen würde. Leise schloss sie ihr Fenster und steckte ihren Schlüssel ein. Dann hörte ihre Nachbarin, wie die Tür zugezogen würde und jemand die Treppe hinab stieg. Hinaus.

wenn die zeit des schmerzvollen andiedeckestarrens vorbei ist, gibt es eine kleine phase beim kranksein, die genießbar ist.
das ist die, in der man den lavendel aus dem elterngarten durchs fenster riechen kann. die, in der man langsam wieder hoffnung schöpft, doch nicht so jung sterben zu müssen. in der man sich langsam mit zwei kissen und einem zusätzlich starken arm aufsetzt im bett, und am teegetränkten zwieback nuckelt. die, in der man langsam anfangen kann, in die bücher zu kriechen, die man mitgenommen hat im delierium.
von seelenheilenden pferdebüchern, die mir früher vorgelesen wurden über sarah kuttners schreibergüsse bis hin zu literarischen kleinoden über das ende vom alphabet habe ich so einiges geschafft, zwischen mittagsschlaf und aufwachen und kartoffelbreiessen und einschlafen. und sie werden alle dort landen. den anfang mach das ende .
und jetzt werde ich mich ganz langsam an mein fenster stellen und gucken, wie sich der baum davor gemacht hat, während ich weg war. ich fürchte, er ist schon wieder ein stück gewachsen und ich habe es verpasst.

so fühlt sich das also an, wenn man von den toten wieder aufersteht.

Italien, ein buntbehaustes Dorf. Die Farbe blättert von den halbgeschossenen Fensterläden. Ein paar Balkonpflanzen stehen noch in der Pfütze vom letzten Regenschauer und die Sonne blitzt hinter lila Wolken hervor. Hier und da sitzt eine neugierige Katze oder rollt sich fürs Foto in einem Fischerboot zusammen. Es riecht nach Wiese und Meer.
Die Touristen legen den Kopf in den Nacken und zeigen auf rosa Bettwäsche, weiße Unterhemdchen, gepunktete Schlafhosen oder rote Flauschsocken. Der Wind zupft an einem Kopfkissenbezug und eine Jeans tropft auf den Steinboden. “Wenn man hier wohnt, kann man sein Image über diese Wäscheleinen ja total beeinflussen.” sagt einer, “Einfach immer mal Latexanzüge und -masken zum Trocknen raushängen.” Die Wolken ziehen weiter und ein Kichern kullert durch die engen Gassen. Und ein paar Minuten wird noch eifriger als sonst Ausschau gehalten nach Geschichten, die Wäscheleinen erzählen.

Noch sind nicht alle Blätter geschlüpft, wie bei den Extrovertierten im Park. Mein Fensterbaum ist einer der wenigen, der es langsam angehen lässt. Es lugen mal ein, zwei blättrige Kerlchen aus ihren Knospen hervor und blinzeln in die unbekannte Sonne. Der Rest döst noch.
Ich sitze am offenen Fenster und und höre dem Musikbrei aus Kinderrufen, Elterngurren, Kopfsteinpflaster, Strapenbahnoberleitungen, Kaffeetassen und Vögelzwitschern zu. Aber eigentlich sollte ich. Eigentlich müsste ich. Eigentlich hätte ich schon lange. Annahmeformulare, Institusnummern, Recherchearbeit, Bewerbungsschreiben, Menüplanungen, Artikelschreiben, Kopfzerbrechen. Gedankenbrei.
Stattdessen lehne ich mich an die bekuscheldeckte Schreibtischseitenwand und stelle mir ein letztes Mal vor, wie es sein wird, wenn das Meer wieder an meinen kleinen Zehen lecken darf. Bis sich mein großes Eigentlich wieder anschleicht und mir in die Finger beißt.
Zwischen den Fragen eines Interviews

Als Volker kommt, muss er die Brille absetzen, weil sie beschlägt.
Das Diktiergerät liegt auf meinem Schoß und vor mir steht eine Kanne „Tulsi-Orange-Ingwer-Tee“, neben mir mein Notizheft mit den Fragen, die mir am abend zuvor durch den Kopf geschossen sind.
Draußen regnet es vor sich hin und im karvana in Friedrichshain ist es entspannt.
Leise Cafémusik beschwingt die Ohren und immer mal lacht jemand, klirrt eine Tasse oder wird es laut, weil einer einen Kaffee bestellt hat. Dann mahlt die Maschine laut und alle nutzen die erzwungene Schweigepause, um ein Stück Kuchen in den Mund zu nehmen, oder sich wie ich etwas Tee über den Pullover zu schütten, weil ich es nicht lassen kann, beim Reden zu gestikulieren –mit der Tasse in der Hand.
Volker Strübing ist einer derjenigen, die ich vor zwei Jahren einmal die Woche gesehen habe. Er war damals festes Mitglied der Chaussee der Enthusiasten – so nennt sich eine AutorInnengruppe, die auch jetzt noch jede Woche einmal vor erheitertem Publikum ihre neusten Texte vorlesen.
Volker ist vor einiger Zeit ausgestiegen und hatte bisher nicht viel Zeit, in ein Loch zu fallen, erzählt er. Vor einigen Monaten hat er mit der für ihn in die Chaussee eingestiegenen Kirsten Fuchs eine siebenwöchige Reise in den Norden unternommen. Zusammen mit einem Filmteam , einer Schiffscrew und einem wankenden Schiff.
Jetzt bei Kaffee und Keks erinnert er sich an rülpsende Walrösser, Kopfstand im Bett und erzählt von seinem Seemanns-Tattoo auf dem Arm, nachdem ich eigentlich nur spaßenshalber gefragt hatte. Es ziert zwar keine sexy Meerjungsfrau seinen Oberarm, aber immerhin eine Kompassrose mit Nautilusstern.
Die zweieinhalb Stunden Interview-Erzählstunde vergehen im Flug und nach zwei Teekannen, zwei Kaffees, und einer Schokotorte schwirrt mein Kopf von isländischer Natur, Arktisschollen, Regieproblemen, Interviewpartnern, die Wale fangen und Fotofluten von einer nicht sinkender Sonne.
Wunderbare Bildern tanzen vor mit auf Volkers Laptop. Kirsten, die ein Nickerchen auf den Tauseilen macht, die Schiffscrew, wie sie in einem Segel badet, Sonnenuntergänge, und natürlich viel Wasser, viel Berge, viel Natur.
Bevor wir uns verabschieden spielen wir noch kurz mit Spiegelreflexkameras und machen Weghaltefotos. Schön wars. Und für eine Zeit war ich mit Volker in Island, habe ich fast den eisigen Arktiswind in der Nase gehabt und das Knarzen und Krachen der abbrechenden Gletscherscholle in den Ohren. Zum Glück reicht meine olfaktorische Fantasie nicht bis zu den Walrossrülpsern. Das Diktiergerät habe ich irgendwann vergessen, wieder anzuschalten.
Aber die Bilder in meinem Kopf sorgen schon dafür, dass ich beim Schreiben nicht wortlos bleiben werde.
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via
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Volker Strübing ist mit Kirsten Fuchs nicht in den Süden gefahren
Wie das aussah, kann man sich jetzt ansehen.
Nicht der Süden, 3Sat, 19., 20., 26., und 27. März immer 20:15 Uhr

Manchmal ist es komisch. Da kribbelts in den Fingern, aber es funkt nicht. Es könnte einiges gesagt werden. Oder auch nicht. Von dem Stück Himmel, das man beim Arbeiten sieht, wenn man den Hals streckt. Oder den Schokokeksen, die auf dem Fensterbrett stehen. Ein Stückchen zu nah. In Reichweite. Von den Tagen, die gleich aussehen. Aufgefüllt mit Arbeit. Mit Kaffeetrinken und Schlafengehen. Und manchmal mit Augenringen von durchlesenen Nächten. Irgendwo muss sich die Freizeit ja austoben. Oder man schreibt nichts. Denn so richtig was zu sagen hat man nicht.
Machmal fehlen einem eben die Geschichten zu den Worten.

Es war einmal eine Prinzessin, sagte er. Und fuhr mit dem Zeigefinger über ihre Stirn. Die lebte in einem blauen Schloss, das in der Sonne glitzerte. Die Prinzessin war wunderschön und hatte ein riesiges Bett. Ein richtiges Himmelbett, so groß war es. Es hätte den Nachthimmmel zudecken können.
Eines Abends kam der Prinz zu der Prinzessin, flüsterte er in ihr Ohr. Und er hatte das Waldmonster mitgebracht, flüsterte sie zurück. Er hielt es an seiner Hand. Doch dann wurde es plötzlich wild und biss die Prinzessin in den linken Arm. Tief gruben sich die dreckigen Zähne hinein.
Er hob den Kopf, schaute sie an und erzählte weiter, der Prinz aber stürzte sich auf das Ungeheuer und befreite die Prinzessin davon. Dann sperrte er es in den dunkelsten Keller. Aber ein Splitter eines Giftzahnes bieb in dem Oberarm der Prinzessin stecken, fuhr sie fort, mit leiser Stimme. Und der Prinz konnte nichts dagegen tun.
Wenn es böse endet, sprach sie in die Nacht hinein und fühlte sein Entsetzen, würde der Splitter schleichend in die Blutbahn geraten und den Weg zum Herzen der Prinzessin finden.

Ich treib mich rum. In der Rummelsburger Bucht, im Szimpla in der Grünberger Str. und vor allem auf bücherknabbern.
Wer Bücherlust hat, kann gern mitknabbern.
Ansonsten bastel ich Kaffeemilchschaumfigürchen, schnipsel Postkarten, und bleib ab jetzt 22.

Dass es ihm reicht, mit seinen Freunden per Internet zu freundeln, war das Traurigste, was ich je gehört habe. „Was soll mir da schon fehlen?“ hat er ein bisschen provokativ gefragt “Wir können uns jeden Tag schreiben.”, und ich konnte nur den Kopf schütteln.
Wenn Freunde nach und nach wegziehen oder man selbst der Heimatstadt die Nase dreht und wegwandert, wird es immer schwieriger, einander nah zu bleiben. Sicher sind Freundeskreisblogs oder Twitteraccounts eine tolle Möglichkeit auch Winzigkeiten wie runtergefallene Schokobrote oder kleine Depressionen der anderen mitzukriegen und über alle Baumgrenzen hinweg sich doch noch kennen zu bleiben.
Aber so richtig echt fühlt sich das trotzdem nicht an. Ein bisschen, wie eine Pappfigur der Freundin im Zimmer zu stellen, die ab und zu lustige Sachen sagt.
Das echte Freundschaftsgefühl bleibt dann irgendwo zwischen den html-Zeilen stecken. Das Fehlende kann einem keine einzige getippte Zeile geben. Das Gefühl, sich nach viel zu langer Zeit wieder in den Armen zu liegen, bewundernd die Lebenswendungen anzuschauen, die abgeschliffenen Dielen anzufassen. Mit den geborgten quietschrosa Socken drüberzuschlittern und dabei eines der zugewachsenen Fellmonster zu erschrecken, die jetzt zur Freundesfamilie gehören.
Fast unbeschreiblich ist es, endlich anzukommen, wo man nie war, sich heimisch zu fühlen in einem Haus, das man nicht kennt und sich wieder gutenachtumarmen zu können.
Da kommt einem das achsosoziale Internet wie der letzte Dreck vor, wenn man zusammen am Sonntagsfrühstückstisch sitzt und die letzten Löffel Erdbeerjoghurt auskratzt, während man die Beine hochlegt und etwas peinlich berührt dem Muskelkater nachspürt. Muskelkater von dem zweistündigen Spaziergang an der Elbe, mit feuchten Wind und Wetter einer Stadt, die nahe am Meer liegt und dem Gefühl, wieder 16 und auf einer Klassenfahrt zu sein.
Nebeneinander herlaufen, die angewachsene Distanz zwischen sich zertreten und wieder über alles kichern und reden können, so – ja so wie damals denkt man und fühlt sich doch eigentlich zu jung dafür, schon von damals zu denken.
Ein ganzes Wochenende dauert der Zauber, der wieder in die Offlinewelt gezogenen Freundschaft. Danach fährt jeder seiner Wege und auch wenn man weiß, man wird sich jeden Tag im Netz schreiben, ist es doch, als trenne man sich voneinaner.
Und das ist es auch. Eine Trennung, ein Abschied vom Anfassen, sich durch die Haare fahren, morgens zusammen Märchen gucken und Eis essen, bis man schwanger geworden ist und vergleicht, wer den größeren Babybauch hat, vom Zusammen nichts tun und dabei grinsen. Einfach, weil es so schön ist, sich wiederzusehen.
Diesem lebendige Miteinandersein wieder den Rücken kehren zu müssen ist wie eine angebrochene Lieblingsschokoladentafel nicht zuende essen zu dürfen. Und auch, wenn der anfangs erwähnte Bekannte an dieser Stelle jetzt hämisch grinsen mag und sagen, dass ihm dieses böse Abschiedsgefühl nicht wiederfahren kann, so ist es doch etwas, von dem ich dankbar bin, erleben zu müssen.
Denn noch bestehen unsere Beziehungen nicht nur aus tweets, chatnachrichten und Blogeinträgen und Freundeslisten, die man löschen und erweitern kann, wie einem der Sinn steht. Noch können wir über unsere virtuellen Beziehungen hinwegklettern und ins Leben hopsen. Noch tut es weh, weil man sich vom Wiedersehen verabschiedet weil es eben nicht dasselbe ist, sich täglich das Netz zu teilen.
Dieses Gefühl wünsche ich dem Bekannten. Es wischt die Staubschicht vom Leben und lässt das Herz höher schlagen. Auch, wenn es gar nicht so leicht ist, wieder wegzugehen, wenn man einmal angekommen war.
Aber man weiß, dass es halten wird. Und man sich wiedersieht.
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endlich einmal etwas, das länger als vier jahre hält (tomte-endlich einmal)

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Das frühe Morgenlicht verfing sich in Maroos Haaren.
Kasimir blinzelte träge.
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Und dann krabbelte ihm der Übermut in die Finger.
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Ist das nun ein erstrebenswertes Gefühl, wenn der Tag nur noch besser werden kann?

Als ich in mein Sandwich beiße und es angeekelt wieder ausspucke, muss ich den Impuls unterdrücken, sofort Anj anzurufen.
Gerade vor fünf Minuten erst habe ich mein Handy wieder zugeklappt. Seit Anj für ein paar Tage ausgeflogen ist, hat sich mein Guthaben schlagartig gesenkt und ich möchte wetten, ihre Ohren sind genauso rot wie meine.
Meine Hände kribbeln, aber ich schiebe das Handy noch ein bisschen tiefer in die Tasche. Ich schaff das schon.
Von anderen WGs hört man ja so manche Hiobsbotschaft. Beste Freundinnen, die sich zu putzfimmeligen Pingeln verwandeln oder mit zwei Partnern gleichzeitig Bad und Wanne blockieren. Ausziehverträge, unangekündigte Parties und Müllrunterbringallergikerinnen.
Auch die Anj-und-Ani-WG ist nicht perfekt, natürlich nicht. Ich schätze, wir sind einem unverhältnismäßig großem Anteil an Zugluft ausgesetzt.
Ständig werden Türen aufgerissen, wird sich auf das Sofa der anderen gefläzt oder in den Kuschelsessel geworfen und lebenswichtige Kleinstinformationen in die Luft geworfen. Egal, ob man sich gerade vom Nacktsein befreit oder für die Hausarbeit recherchiert.
Wenn die Katze der Schwester Schluckauf hat, der Bruder eine Eins bekommen, das Shampoo alle, sich die Zukunftsängste mal wieder in den Kopf genistet haben oder man einfach mal bunte Zehnägel braucht, so kann man immer die Tür auf der anderen Seite des Flures öffnen zu ein bisschen Ah und Oh und verständnisvollem Schweigen und Augenrollen oder eben entzücktem Griff zu den Nagellackfläschchen.
Seit einigen Tagen aber ist da nur eine Tür, hinter der mein Wäscheständer wartet und platzhirschend vor sich hintrocknet.
Damit endet die positive Seite des Ausgeflogenseins aber auch. So oft, wie man mir vielleicht unterstellt, will ich gar nicht nackt durch die Wohnung rennen und Anjs rosa Kugelschwein ist zwar verständnisvoll, quiekt aber nicht so schön wie seine blonde Zimmergenossin, wenn ich ihm von dem neuen wunderbar anspruchslosen Tanzfilm erzähle, den ich in der Videothek gefunden habe.
Gedanken an Stofftiere und Zugluft verloren spiele ich an meinem Handy, als es klingelt.
Mit einem quietschenden Hi nehme ich ab und kann Anj endlich erzählen, dass die Leberwurst auf meinem Sandwich schon schlecht war und plötzlich so wie ihre Teewurst geschmeckt hat. Im Gegenzug erfahre ich, dass sie eine Froschhose trägt und zusammen finden wir raus, das wir uns auf Samstag freuen.
Da sehen wir uns wieder und kein Handyguthaben der Welt kann uns mehr davon abhalten, stundenlang die schlimmen WG-Erfahrungen der Freundin des Kumpels der Schwester der Freundin zu sinnieren. Oder was wir alles lebend in unserem Kühlschrank gefunden haben.


Nein, Schokopudding zu essen hilft auch nicht. Wie macht man das bloß, dieses Wachbleiben, wenn man doch müde ist? Der tägliche Kampf ums Nichtinsbettgehen.
52 Klausurthemen warten darauf, sich in meinem Kopf breitzumachen und ein ganzer Themenblock ist noch nicht mit einberechnet
Seit Tagen schon heißt es abschreiben, zusammen- und sich an den Kopf fassen, Ordner aufstellen und Blätter suchen, Mindmaps mit bunten Zettelchen im Zimmer zu erstellen und dafür auf den Knien rumzurutschen. Das ganze dann auf Packpapier hin- und hergeschoben und sich wieder in die Haare fassen, wenn man zu unvorsichtig lüftet.
Eine Chance gebe ich meiner Wachbleibenmotivation noch.
Raus in die Kälte und einen Abendspaziergang zur nächsten Kaufhalle.
Und wenn das auch nicht hilft, eben loslassen. Mit einem Schokopudding-Teelöffel im Mund und den Notizen unterm Kopfkissen unter die Bettdecke schlüpfen und Kapitulation feiern.
Man muss auch mal verlieren können.